Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 23.02.2019


Exklusiv

Pensionierungswelle: Neue Besen für die Tiroler Polizei

Eine Pensionierungswelle kündigt sich bei der Tiroler Polizei an. Mehrere wichtige Abteilungen (LKA, Kripo) verlieren ihre Führungskräfte. Die Nachbesetzung sorgt für Spekulationen.

LKA-Chef Walter Pupp (r.) geht bald – vielleicht sogar noch heuer – in Pension. Als Nachfolger wird auch Christoph Kirchmair (links neben Landespolizeidirektor Helmut Tomac) gehandelt.

© Thomas BöhmLKA-Chef Walter Pupp (r.) geht bald – vielleicht sogar noch heuer – in Pension. Als Nachfolger wird auch Christoph Kirchmair (links neben Landespolizeidirektor Helmut Tomac) gehandelt.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Wer wird was? Eine Frage, die derzeit bei der Tiroler Polizei für umfassende Spekulationen und Diskussionen sorgt. Was an einer fast schon historischen Pensionierungswelle liegt – in den nächsten Monaten und Jahren wird sich ein guter Teil des Offizierskaders in den Ruhestand verabschieden. Darunter auch mehrere Großkaliber, allen voran der stv. Landespolizeidirektor Norbert Zobl. Für zusätzliche Spannung sorgt, dass mit Herbert Kickl erstmals ein FPÖ-Innenminister das letzte Wort hat. Und das wohl auch nützen wird – mit einem blauen Wunder ist durchaus zu rechnen.

Vielleicht schon demnächst, wenn Zobls Nachfolger bestimmt wird. Als Favorit gilt dessen Stellvertreter, der Aldranser Bürgermeister Johannes Strobl. Dessen Vize könnte Innsbrucks Stadtpolizeikommandant Martin Kirchler werden. Damit wäre der Polizei-Chefsessel in der Landeshauptstadt frei. Für Romed Giner, bislang Bezirkskommandant in Schwaz. So lautet in etwa die Rechnung, wenn das Ergebnis in der Landespolizeidirektion am Innrain festgelegt wird. Allerdings ist keineswegs ausgeschlossen, dass Kickl einen Wiener Strich durch die Tiroler Rechnung macht. Und den Exil-Tiroler Markus Stütz, derzeit Kabinettsmitglied, als Vertrauten und stv. Polizeidirektor in dessen Heimat schickt. Ein Szenario, bei dem das Besetzungskarussell gestoppt wird, noch ehe es Fahrt aufnehmen kann.

Aber es stehen ja noch weitere Entscheidungen an. Etwa, wer Leiter der Innsbrucker Kriminalpolizei wird. Hubert Riml, langjähriger Chef der Abteilung, wird sich voraussichtlich im Sommer in den Ruhestand verabschieden. Schon im Frühjahr soll der frühere Kripobeamte und jetzige Bezirkskommandant-Stellvertreter in Hall, Christoph Kirchmair, interimistisch die Leitung der Kriminalpolizei übernehmen. Ob aus der Zwischenlösung eine Dauerlösung wird, hängt wohl auch mit der Entwicklung im Landeskriminalamt zusammen. Denn dort werden in absehbarer Zeit gleich zwei Chefbüros frei. Der stv. Leiter Christoph Hundertpfund wird angeblich schon im Sommer Pensionist, Chef Walter Pupp hält sich noch bedeckt. Wenn die Gerüchte wahr werden, gibt aber auch er noch heuer die Dienstmarke ab. Dann könnte mit seiner zweiten Stellvertreterin Katja Tersch erstmals eine Frau das Landeskriminalamt übernehmen. Es sei denn, Christoph Kirchmair macht das Rennen.

Die Pensionierungwelle ebbt auch 2020 und 2021 nicht ab. Markus Widmann, Chef der Polizei-Verkehrsabteilung, erreicht bald das Pensionsalter, ebenso Werner Jäger, Projektleiter beim Umbau der Innsbrucker Polizeidirektion, Reinhard Moser, stv. Kommandant in Innsbruck, und Peter Platzgummer (Logistik). Auch die Kommandanten der Bezirke Landeck und Kufstein haben ein absehbares Ablaufdatum.

Der baldige Abschied so vieler Führungskräfte macht die Nachbesetzung nicht einfacher: Schon jetzt werden Polizisten angehalten, die Offiziersausbildung zu absolvieren. Eine Karriere, deren Attraktivität sich nicht allen Beamten erschließt. Zwei Jahre Ausbildung in Wiener Neustadt, weniger Zulagen und eine unbestimmte Zukunft vielleicht auch in einem anderen Bundesland schrecken ab. Dennoch ist Landespolizeidirektor Helmut Tomac optimistisch: „Wir schauen, dass wir Tiroler (Exil-)Offiziere zurückholen können.“ Vielleicht sorgt das Innenministerium für ungewollte Schützenhilfe: So soll bereits ein Tiroler Ex-Polizist mit blauer Vergangenheit ein attraktives Angebot für eine Rückkehr zu seinem früheren Dienstgeber erhalten haben. Als Führungskraft versteht sich.