Letztes Update am Sa, 09.03.2019 12:02

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschland

Fall Lüdge: Wegen Kinderporno Vorbestrafter arbeitet als Polizist

Nach dem Missbrauchsskandal auf dem Campingplatz in Ostwestfalen waren in der Kreispolizeibehörde 155 sichergestellte Datenträger unter mysteriösen Umständen verschwunden.

Der Campingplatz in Lügde, auf dem jahrelang Kinder missbraucht worden sein sollen.

© APA/dpa/Christian MathiesenDer Campingplatz in Lügde, auf dem jahrelang Kinder missbraucht worden sein sollen.



Düsseldorf – Bei den internen Untersuchungen des polizeilichen Sonderermittlers im Fall Lügde ist einem Zeitungsbericht zufolge ans Licht gekommen, dass bei der Kreispolizeibehörde Lippe ein wegen Kinderpornografie vorbestrafter Polizist tätig ist. Der Mann sei im Jahr 2011 wegen des Besitzes und Beschaffens von Kinderpornografie verurteilt worden, berichtete der Kölner Stadt-Anzeiger am Samstag unter Berufung auf das nordrhein-westfälische Innenministerium.

Die zuständige Behörde habe seinerzeit bei Gericht die Entlassung des Beamten beantragt, die Richter hätten jedoch eine Degradierung für ausreichend gehalten. Der Polizist sei nicht in die aktuellen Ermittlungen eingebunden gewesen, hieß es weiter.

Datensätze verschwunden

Wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete, veranlasste Innenminister Herbert Reul (CDU) nach Bekanntwerden des Falls Lügde, dass alle Sexualdelikte festgestellt wurden, an denen Polizisten der Kreispolizei Lippe beteiligt waren. Dabei wurde ein weiterer Fall aus dem Jahr 2011 bekannt, bei dem ein Beamter in seinem privaten Badezimmer heimlich eine Videokamera installiert hatte. Zudem wurde ein Vorgang aus dem Jahr 2013 entdeckt, bei dem ein Tutor eine Kommissaranwärterin belästigt hatte.

Nach Angaben des NRW-Innenministeriums wurde die Kreispolizeibehörde Lippe jetzt angewiesen, „beim aktuellen und künftigen Einsatz der Polizeibeamten ihre Vorgeschichte zwingend zu berücksichtigen“.

Nach dem Missbrauchsskandal auf dem Campingplatz in Ostwestfalen waren in der Kreispolizeibehörde 155 sichergestellte Datenträger unter mysteriösen Umständen verschwunden. Reul hatte daraufhin einen Sonderermittler aus dem Landeskriminalamt nach Detmold entsandt, der aufklären soll, wie es dazu kommen konnte.

Die Missbrauchsserie von Lügde war am 30. Jänner bekannt geworden. Auf dem dortigen Campingplatz sollen über zehn Jahre hinweg mindestens 31 Kinder missbraucht worden sein. Die meisten waren zwischen vier und 13 Jahre alt. Es gibt insgesamt sieben Verdächtige. (APA/AFP)


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