Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.03.2019


Tirol

Kokain-Menüs brachten Tiroler Koch zehn Jahre Haft

Ein Tiroler und eine Kolumbianerin kassierten für kiloweisen Handel mit Kokain zusammen 13 Jahre Haft. Bei der Trennung flossen Tränen.

Der bislang völlig unbescholtene und unaufällige 37-Jährige hatte in den letzten Jahren einen regen Kokainhandel betrieben.

© BöhmDer bislang völlig unbescholtene und unaufällige 37-Jährige hatte in den letzten Jahren einen regen Kokainhandel betrieben.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Ende Oktober war westlich von Innsbruck ein nach außen hin unauffälliges Pärchen festgenommen worden. Aufgefallen waren der 37-jährige Koch und seine kolumbianische Ehefrau zuvor aber bereits Polizeibehörden sowie der Hausbank der jungen Mutter. So erstattete die Bank letzten Juli eine Geldwäscheverdachtsmeldung, wonach die 31-Jährige in relativ kurzer Zeit sechsstellige Beträge auf ihr Girokonto eingezahlt und darauf in kleinen Tranchen nach Kolumbien und Ecuador weiterüberwiesen hätte. Ermittlungen ergaben weiter, dass ihr Ehemann zwischen 2017 und Herbst 2018 den Tresorraum seiner Bank zwecks Öffnung der Bankschließfächer gleich 64-mal aufgesucht hatte. Eine Hausdurchsuchung und Kontenöffnung offenbarte dann eine Jungfamilie in ungeahntem Wohlstand, wurde doch erst einmal Bargeld in Höhe von 386.400 Euro sichergestellt. Ankläger Hansjörg Mayr rechnete später noch dokumentierte Ausgaben hinzu und kam auf ein Kapitalvolumen von 903.329 Eur­o bei offiziellen Einnahmen von 110.645 Euro seit 2016.

Genau in diese Kerbe schlug gestern am Landesgericht beim Prozess wegen Kokainhandels Verteidiger Mathias Kapferer. Zwar kündigte RA Kapferer eine Lebens­beichte des 37-Jährigen an, verwies jedoch auf seiten seiner Mandanten auf auch inoffiziell­e Einkünfte in nicht unbeträchtlicher Höhe.

Der Koch erläuterte darauf, dass er anfangs einzig zur Abdeckung seines Eigenkonsums mit dem Kokainverkauf begonnen hätte. Seinen Lieferanten wollte er übrigens partout nicht nennen – um „die Familie nicht in Gefahr zu bringen“. Seine Version, rund zehn Kilogramm Kokain mit einem Reinheitsgehalt von 70 Prozent jeweils bei einer Adresse in Wattens gekauft zu haben, klang jedoch offenbar nicht nur für Richterin Helga Moser seltsam unrund. Auch die nachfolgenden Aufzählungen von Einkommen über Gebrauchtwagenhandel, Trinkgelder und Verdienste in der Schweiz sowie in der Gastronomie erklärten nur schwer die Berechnungen der Anklagebehörde. Dass die Mutter einer eineinhalbjährigen Tochter zudem von der Einnahmequelle ihres Mannes rein gar nichts gewusst hätte, verwies Richterin Mose­r in den Bereich „der Märchenstunde“.

So ergingen nicht rechtskräftig wegen Kokainhandels über den Mann (8,5 Kilo) zehn Jahre und über die Frau (450 Gramm) drei Jahre Gefängnis. Die Frau umarmte den 37-Jährigen und weinte laut.




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