Letztes Update am Do, 14.03.2019 10:50

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Vermisste 15-Jährige

Haftbeschwerde im Fall Rebecca, Mutter spricht über Bekanntschaft

Kommt der Verdächtige im Fall Rebecca bald wieder auf freien Fuß? Die Anwältin des 27-Jährigen legte eine Haftbeschwerde ein. Während die Suche nach der 15-Jährigen noch im Gang ist, bringt ihre Mutter eine mögliche Internet-Bekanntschaft ins Spiel.

Kriminaltechniker sichern Spuren auf dem Boden an einem Waldgebiet im Landkreis Oder-Spree.

© dpaKriminaltechniker sichern Spuren auf dem Boden an einem Waldgebiet im Landkreis Oder-Spree.



Berlin – Im Fall der seit drei Wochen verschwundenen Rebecca Reusch aus Berlin hat die Anwältin des tatverdächtigen Schwagers laut einem Medienbericht Haftbeschwerde eingelegt. Die Bild-Zeitung beruft sich auf Kreise in der Staatsanwaltschaft.

Der Sprecher der Anklagebehörde, Martin Steltner, sagte am Abend, er äußere sich dazu nicht. Bei einer Haftbeschwerde prüft das nächsthöhere Gericht, ob die Voraussetzungen für einen Haftbefehl vorliegen und ob die Entscheidung des Ermittlungsrichters richtig war. Die Anwältin des in Untersuchungshaft sitzenden Schwagers Florian R. wollte sich ebenfalls nicht dazu äußern.

Mutter verbot Rebecca angeblich Treffen mit Internet-Freund

Sollte Florian R. entlassen werden, bedeutet das nicht das Ende der Ermittlungen. Ihm könnte ein neuer Haftbefehl verkündet werden, wenn die Staatsanwaltschaft erneut Beschwerde einlegen würde oder es neue Ermittlungsergebnisse gegen ihn gäbe.

Unterdessen hat Rebeccas Mutter von einer Internetbekanntschaft ihrer Tochter gesprochen. „Es gab da wohl tatsächlich jemanden. Einen Max oder Maxi“, sagte die Frau nach einem Bericht der Zeitschrift Bunte (Online-Ausgabe) vom Mittwoch auf die Frage, ob die Jugendliche vielleicht einen Mann im Internet kennengelernt habe und dies für sich behalten wollte.

Die Mutter sagte der Zeitschrift weiter, ihre Tochter habe ihr auch anvertraut, dass dieser Mann sie besuchen wolle. „Ich sagte ihr, dass sie ihn auf keinen Fall allein treffen dürfe – nur in Begleitung.“ Daraufhin habe Rebecca ihr versprochen, jemanden zum Treffen mitzunehmen. Als dann die Mutter erfahren habe, dass eine Decke zusammen mit ihrer Tochter verschwunden war, sei ihr erste Gedanke gewesen: „Vielleicht hat sie diesen Jungen getroffen und die Decke mitgenommen, um sich draufzusetzen.“

Tagelange Suche in Wäldern bisher ohne Erfolg

Ob die Mutter auch der Polizei von ihrem Verdacht berichtete, ist unklar. Man werde Einzelheiten, die die Angehörigen in Medien äußern, nicht kommentieren, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Spekulationen, dass Rebecca möglicherweise jemanden treffen wollte, hatte es auch seitens ihrer Familie schon früher gegeben.

Die Polizei verdächtigt Rebeccas Schwager eines Tötungsdelikts, er sitzt in Untersuchungshaft. Die Angehörigen der Vermissten hatten indes mehrfach in Interviews bekräftigt, sie hielten den 27-jährigen Deutschen für unschuldig. Die Mordkommission wertet derzeit weiter die insgesamt 1400 Hinweise aus, die in den rund drei Wochen seit Rebeccas Verschwinden eingingen.

Etwa zwei Kilometer nördlich des derzeitigen Suchorts Rieplos verläuft die Autobahn von Berlin nach Frankfurt (Oder). Dort war das Auto des verdächtigen Schwagers am Tag des Verschwindens und am nächsten Tag erfasst worden. Bereits von Donnerstag bis Samstag hatten eine Hundertschaft Polizisten sowie Experten mit Leichensuchhunden großflächig einen Wald bei dem Ort Kummersdorf durchkämmt. Gefunden wurde nichts. Im Vergleich dazu wirkte die aktuelle Suche in einem Brandenburger Waldgebiet gezielter.

„Nichts deutet darauf hin, dass Rebecca noch lebt“

Zu Ergebnissen der Aktion hielt sich die Polizei bedeckt. „Am Dienstag wurden am Ort Spuren gesichert. Die Auswertung dauert an“, sagte eine Sprecherin. Kriminaltechniker hatten den Boden am Waldrand untersucht. Einsatzkräfte hielten auch eine Abbildung, vermutlich von Reifenspuren, zum Vergleich in der Hand.

Die Familie hält nach wie vor an der Unschuld des Schwagers fest. Außerdem haben Rebeccas Eltern die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass ihre Tochter am Leben sein könnte. „Die Leute sollen in Kellern und Lauben gucken, sie wird irgendwo festgehalten“, sagte die Mutter der Bild-Zeitung.

Aber: „Nichts deutet darauf hin, dass Rebecca noch am Leben ist“, sagte Martin Steltner, der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, der „Welt am Sonntag“. Die Suche nach der Leiche von Rebecca hat nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft nun „oberste Priorität“. Es gebe eine Menge Anhaltspunkte, teilte die Behörde mit, doch Details könne man aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mitteilen.

Rebecca war am 18. Februar zuletzt im Haus ihrer Schwester und ihres Schwagers. Die Polizei geht davon aus, dass das Mädchen das Haus nicht lebend verließ, sondern getötet wurde. Öffentlich begründeten Ermittler dies etwa mit einer Analyse der Router-Daten und Rebeccas Telefonverhalten. (TT.com, dpa)