Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 16.03.2019


Justiz und Kriminalität

Diözese Klagenfurt: Visitator erwartet personelle Konsequenzen

Diözese Klagenfurt: Erzbischof Lackner stellte keinen Missbrauch von Kirchengeld fest, aber Mängel in der Führung.

Alois Schwarz war von 2001 bis 2018 Bischof in Klagenfurt.

© APAAlois Schwarz war von 2001 bis 2018 Bischof in Klagenfurt.



Salzburg, Klagenfurt – Der Bericht der apostolischen Visitation der Diözese Gurk-Klagenfurt ist fertig. Die Aufarbeitung der Konflikte dort steht aber bestenfalls am Anfang; noch sei das „ehrliche und rechtzeitige Gespräch“ als Voraussetzung für einen guten Umgang in Klagenfurt nicht möglich, meint der Co-Visitator und Feldkircher Bischof Benno Elbs.

Papst Franziskus hatte den Salzburger Erzbischof Franz Lackner mit der Visitation beauftragt. Anlass waren heftige innerdiözesane Auseinandersetzungen um die Amtsführung des mittlerweile nach St. Pölten gewechselten Bischofs Alois Schwarz – die Rede war von Misswirtschaft und der ungeklärten Rolle einer engen Mitarbeiterin. Gegen beide – Schwarz und die Vertraute – ermittelt die Staatsanwaltschaft Graz wegen des Verdachts der Untreue.

Salzburgs Erzbischof Franz Lackner führte die Visitation.
Salzburgs Erzbischof Franz Lackner führte die Visitation.
- APA

Gestern stellte sich Lackner zum Abschluss der Untersuchung mit seinem Team – darunter Elbs – den Medien. Die wichtigsten Erkenntnisse: Man habe eine „Diözese im Ausnahmezustand“ vorgefunden, berichtete Lackner, mit viel zerrüttetem Vertrauen und Ängsten bei Mitarbeitern und Gläubigen, „und zwar durch alle Schichten hindurch“.

In wirtschaftlicher Hinsicht stellt das Untersuchungsteam fest, dass keine Kirchenbeiträge missbräuchlich verwendet worden seien. Dennoch gebe es bei der wirtschaftlichen Führung „großes Verbesserungspotenzial“, etwa kirchenrechtliche Vorschriften betreffend. Kein Thema war bei dem Medientermin die Mitarbeiterin des Bischofs.

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Der Visitationsbericht umfasst 50 Seiten und geht vorerst an die Apostolische Nuntiatur in Wien und von dort weiter in den Vatikan. Dort liege auch die Entscheidung über allfällige Folgen aus der Affäre. Dass gar nichts passiert, ist laut Lackner nicht zu erwarten: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es zu keinen personellen Konsequenzen kommen wird.“

Offen ist, ob der Bericht veröffentlicht wird. Lackner wollte das zumindest nicht ausschließen. Zuvor müsste jedenfalls geklärt werden, wie es um Datenschutz und Persönlichkeitsrechte stehe, sowohl der Mitarbeiter als auch der Gesprächspartner: Die Visitatoren führten Gespräche mit 200 Personen und hatten 2600 schriftliche Kontakte. Viele Menschen hätten sich anfangs ängstlich und misstrauisch gezeigt und erst nach Zusicherung absoluter Diskretion geöffnet, sagte Elbs.

Nicht gelöst ist der Konflikt mit der interimistischen Führung der Diözese Gurk-Klagenfurt. Administrator Engelbert Guggenberger und das Gurker Domkapitel stehen in der ersten Reihe der Kritiker von Schwarz. Sie haben die Affäre im vergangenen Herbst an die Öffentlichkeit getragen. Auch das Verhältnis zu Lackner hat sich in den Wochen der Visitation zusehends verschlechtert. Zu Beginn der Fastenzeit etwa lud Lackner zu einer „Buß- und Gebetsstunde“, der Guggenberger unter Protest fernblieb.

Zuletzt beklagte sich das Domkapitel, dass es zu wenig Zeit bekommen habe, in den fertigen Bericht Einblick zu nehmen. Stimmt nicht, konterten gestern die Visitatoren. Es wäre auch zumutbar gewesen, dafür nach Salzburg zu kommen. (APA, sabl)