Letztes Update am Fr, 15.03.2019 17:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neuseeland

49 Tote in Christchurch: Terror im „friedlichsten Ort auf Erden“

Auf ihr friedliches Image sind sie in Neuseeland sehr stolz. Jetzt erschüttert ein mutmaßlicher Terrorangriff auf zwei Moscheen das Land. Die schreckliche Bilanz: mindestens 49 Tote. Die Botschaft nun: Stark bleiben.

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Von Chris Foley, AFP

Christchurch – Christchurch steht unter Schock: Bewaffnete Polizisten patrouillieren in den Straßen der sonst so ruhigen Stadt auf der neuseeländischen Südinsel. Stunden, nachdem mindestens 49 Menschen in der zentralen Masjid-al-Noor-Moschee und einer kleineren Moschee im Vorort Linwood getötet wurden, versammeln sich Mitglieder der muslimischen Gemeinschaft im nahegelegenen Hagley Park – in stiller Trauer.

„Das ist der friedlichste, schönste Ort auf Erden, und das wird auch so bleiben.“
Ein Palästinenser

„Das ist der friedlichste, schönste Ort auf Erden, und das wird auch so bleiben“, sagt ein Palästinenser fast beschwörend über Christchurch. Doch für wenige Minuten entlud sich in dieser friedlichen Stadt während des Freitagsgebets unbegreiflicher Hass.

Schnell ist die angrenzende Straße menschenleer, nachdem der Angreifer am frühen Nachmittag in der Moschee im Stadtzentrum das Feuer eröffnet hatte. Polizisten strömen herbei, Geschäfte wurden geschlossen. Schulen in der ganzen Stadt wurden verbarrikadiert. Das Sirenengeheul ebbt kaum ab, während Krankenwagen Tote und Verletzte wegbrachten.

Die Flagge am Parlamentsgebäude in Wellington ist auf Halbmast gesetzt.
Die Flagge am Parlamentsgebäude in Wellington ist auf Halbmast gesetzt.
- AFP

Eltern stundenlang in Ungewissheit

Viele Eltern blieben stundenlang im Ungewissen. Ihre Kinder waren im Stadtzentrum für den Klimaschutz auf die Straße gegangen – nicht weit von der Masjid-al-Noor-Moschee. Der Stadtrat rät Eltern aus Sicherheitsgründen davon ab, in die Stadt zu fahren und nach ihren Kindern zu suchen. Sie sollen sich vielmehr an eine speziell eingerichtete Hotline wenden.

Bei dem Anschlag auf die beiden Moscheen werden an einem einzigen Tag so viele Menschen getötet, wie sonst in einem ganzen Jahr in Neuseeland. Die Kiwis – wie die Neuseeländer auch genannt werden – sind erschüttert und fassungslos. Doch eins stellen viele gleich von Anfang an klar: An ihrer offenen Gesellschaft soll sich nichts ändern.

„Einer der dunkelsten Tage Neuseelands“

Mit Tränen in den Augen und sichtlich unter Schock beschwört Christchurchs Bürgermeisterin Lianne Dalziel den Zusammenhalt: „Es sieht so aus, als sei das Schlimmste passiert, und wir müssen an einem Strang ziehen und die Situation bewältigen.“

Forensiker vor der Masjid-al-Noor-Moschee in Christchurch.
Forensiker vor der Masjid-al-Noor-Moschee in Christchurch.
- AFP

Regierungschefin Jacinda Ardern spricht von „einem der dunkelsten Tage Neuseelands“. Ihr Land stehe für „Vielfalt, Herzlichkeit, Mitgefühl“ und sei „Heimat für die, die unsere Werte teilen“. Der Anschlag werde und könne die Werte des Landes nicht erschüttern, sagte Ardern, der der Schmerz im Gesicht abzulesen ist.

Zusammenrücken nach einer Tragödie – das können die Menschen in Neuseeland. Im Februar 2011 kamen bei einem schweren Erdbeben in Christchurch 185 Menschen ums Leben, die Stadt wurde zu weiten Teilen zerstört. Die Bewältigung der Naturkatastrophe schweißte die Menschen zusammen.

Solidarität über die Grenzen der Religion hinaus

Das soll auch diesmal so sein, ganz unabhängig davon, welcher Religion die Menschen angehören. Als die Nacht hereinbricht, legen Wendy Johnson und ihr Ehemann Andy an einer Polizeiabsperrung am Hagley Park einen Silberfarn und Lilien nieder. Der Farn ist eines der Symbole Neuseelands.

„Wir wollen die muslimische Gemeinschaft wissen lassen, dass wir todtraurig sind und in Solidarität an ihrer Seite stehen“, sagt Wendy weinend. Die Muslime sollten sicher beten können. Für die Schreckenstat gebe es „keine Toleranz in unserer Gesellschaft

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