Letztes Update am Do, 04.04.2019 17:10

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klage

„10-Sekunden-Zahnbürste“ funktioniert nicht: Start-up angezeigt

Das Start-up-Unternehmen Amabrush rund um einen jungen Wiener kündigte 2017 die Revolution der Mundhygiene an und war medial stark präsent. Nun sieht es sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert.

(Symbolbild)

© pixabay(Symbolbild)



Wien — Eine Automatikzahnbürste, die das Gebiss blitzschnell reinigen soll, führt zu Ärger unter Verbrauchern und Crowdfundern, die in das Start-up Amabrush mit Sitz in Wien investiert haben. Die „10-Sekunden-Zahnbürste" war medial stark präsent gewesen, etwa in den Fernsehsendungen „2 Minuten — 2 Millionen" (Puls 4) und „Das Ding des Jahres" (Pro7). Nun gibt es eine Anzeige von Verbraucherschützern.

Amabrush hat im Sommer 2017 auf den Crowdfunding-Plattformen kickstarter.com und indiegogo.com die „erste automatische Zahnbürste der Welt" vorgestellt, mit der alle Zähne vollautomatisch binnen „10 Sekunden" gereinigt würden. Der Investitionsbetrag war so gestaltet, dass die Höhe des Betrages direkt dem Kaufpreis eines oder mehrerer Produkte entsprach. Die Investoren sollten die Zahnbürsten als Gegenleistung erhalten. Auf diese Weise wurden 8 Mio. Euro eingesammelt, berichtete der Verbraucherschutzverein (VSV) am Donnerstag. Viele Verbraucher sollen aber mit der Putzleistung nicht zufrieden sein, einige Crowdfunder sollen seit längerem bei der Lieferung vertröstet werden.

Keine Putzleistung und verzögerte Lieferung

„Beim Verbraucherschutzverein haben sich viele Crowdfunder und Käufer gemeldet, die sich durch Amabrush geschädigt sehen," sagt VSV-Obmann Peter Kolba. „Zum einen werden Crowdfunder seit über einem Jahr vertröstet und bekommen keine Zahnbürste ausgeliefert, zum anderen beschweren sich Käufer, dass die Zahnbürste in keiner Weise dem entspricht, was beworben wurde." Konsumenten, die sich geschädigt fühlen, können sich an den VSV wenden.

Der Leiter der Universitätszahnklinik in Wien, Andreas Moritz sagte in der ORF-Sendung „Konkret" vom 22.1.2019 laut Kolba nach einem Test des Produktes: „Ich würde mit dem hier getesteten Gerät Patienten sicher keine Empfehlung abgeben, das normale Zähneputzen durch die Amabrush zu ersetzen." Das Reparatur- und Servicezentrum R.U.S.Z. sagt, dass „die Zahnbürste Amabrush ungeeignet ist, die öffentlich beworbene Putzleistung zu erbringen".

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„Der VSV hat daher eine Sachverhaltsdarstellung an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft eingereicht," so Kolba. „Die Staatsanwaltschaft wird zu prüfen haben, ob strafrechtliches Handeln vorliegt. Es gilt allerdings die Unschuldsvermutung."

CEO des Start-ups will Fälle nun prüfen

Amabrush-CEO Marvin Musialek sagt im Standard (Donnerstagsausgabe), dass die Auslieferung an alle europäischen Kunden, die über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter dabei waren, bereits „zur Gänze erfolgt" sei. Da diese mit ihrem Geld die Herstellung der Bürste unterstützt haben, sei mit dem Beginn der Produktion eine Rückerstattung nicht mehr möglich gewesen, da man das Geld entsprechend dem ausgewiesenen Zweck genutzt habe. Bei regulären Käufen prüfe man jeden einzelnen Fall, erstatte aber „bis zu einem gewissen Zeitpunkt" den Kaufbetrag ohne weitere Nachfrage zurück. Das Feedback der Käufer auf die Amabrush sei „gemischt". Es gäbe positive wie auch negative Rückmeldungen. Kritik wolle man bei der Entwicklung zukünftiger Generationen der eigenen „Vision einer automatischen Zahnreinigung" berücksichtigen. (APA)