Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 07.04.2019


Exklusiv

Leichenfund in Fritzens: Neue Version vor Mordprozess

Am Dienstag erwartet einen 74-Jährigen der Mordprozess zum Leichenfund in Fritzens. In letzter Sekunde gibt es nun eine völlig neue Verantwortung.

Letzten April war am Fritzener Innufer in einem Plastiksack eine Leiche entdeckt worden.

© zeitungsfoto.atLetzten April war am Fritzener Innufer in einem Plastiksack eine Leiche entdeckt worden.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Als letzten April bei Flurreinigungsarbeiten am Inn ganz in der Nähe des Fritzener Fußballplatzes ein Plastiksack mit einer stark verwesten Leiche entdeckt worden war, hatten die Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) ermittlungstechnisch eine harte Nuss zu knacken. Die Sichtung von 500 Spuren offenbarte schließlich, dass es sich bei der Leiche um den 75-jährigen Innsbrucker Elmar Rösch handelte. Der Abgleich ergab deshalb einen Treffer, weil der Verstorbene in den 80er-Jahren mit dem Innsbrucker Rotlichtmilieu zu tun hatte.

Nach weiteren Ermittlungen konnte bereits Anfang Juli ein Bekannter von Rösch als Mordverdächtiger verhaftet werden. Laut LKA hatte der 74-Jährige nach eingehender Befragung gestanden, seinen Bekannten bereits im Frühjahr 2016 getötet zu haben (Rösch wurde im Juli 2016 als abgängig gemeldet). Die genauen Umstände der Tat blieben bislang aber unklar. Ein geändertes Testament galt bei den Ermittlern als mögliches Motiv.

Am Dienstag kommt es am Landesgericht zum Mordprozess gegen den 74-Jährigen. Dieser ließ wiederum am Donnerstag in eigener Sache die Bombe platzen und richtete an den Vorsitzenden des Schwurgerichts ein Schreiben mit völlig neuer Verantwortung zum Tatgeschehen. Demnach ließ der 74-Jährige die einst zu Protokoll gegebene Notwehrversion komplett fallen.

Wie schon bislang ausgesagt, sei er letzten April zwar mit dem späteren Opfer zur Abwicklung eines Drogengeschäfts nach Wattens gefahren, habe dabei für seinen guten Bekannten jedoch nur als Chauffeur agiert.

Verteidiger Markus Abwerzger weiter zur TT: „Bei einer bereits genannten Pizzeria in Wattens war Rösch dann ausgestiegen und hatte mit Italienern eine Geschäftsabwicklung am Fritzener Innufer vereinbart. Mein Mandant war mit Rösch dann bis in die Nähe eines Schrankens zur Bootsanlegestelle gefahren. Dorthin waren nach dessen Aussagen auch die Italiener gekommen. Aus der Ferne erkannte mein Mandant dann aus dem Auto, dass zwei der Italiener auf Rösch eingeschlagen hatten“, so der Verteidiger.

Nach den nunmehrigen Angaben seines Mandanten sei dieser damals dann in Panik geraten. Abwerzger: „Nachdem mein Mandant Rösch zur Hilfe eilte, ist dieser quasi in dessen Armen gestorben. Mein Mandant war zu dieser Zeit mit einem Mord konfrontiert, war voller Blut des Opfers und in ein Drogengeschäft verwickelt. Da hat der 74-Jährige seinen Freund am Innufer in Plastik verhüllt und ist davongebraust.“

Die Geschworenen haben nun über die Darstellung des Tatgeschehens zu befinden.