Letztes Update am Fr, 05.04.2019 16:38

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Mit Messer auf Vater eingestochen: Elf Jahre Haft für Innsbrucker (23)

Der unter einer Persönlichkeitsstörung leidende 23-Jährige fühlte sich vom Vater im Schlaf gestört und stach mit einem Steakmesser zu. Er wurde nicht rechtskräftig zu elf Jahren Haft verurteilt.

Über den eingeschränkt Zurechnungsfähigen ergingen wegen versuchten Mordes einstimmig elf Jahre Haft.

© Thomas BöhmÜber den eingeschränkt Zurechnungsfähigen ergingen wegen versuchten Mordes einstimmig elf Jahre Haft.



Innsbruck - In einer Pradler Stadtwohnung spielte sich im August eine Bluttat mit Seltenheitswert ab. So hatte ein 23-Jähriger mit einem Messer auf seinen Vater eingestochen. Dies brachte ihm am Freitag am Landesgericht Innsbruck einen Prozess wegen versuchten Mordes ein.

Schon bei den Eingangsplädoyers kam jedoch heraus, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Bluttat gehandelt hatte. Viel mehr leidet der 23-jährige seit Jahren unter psychischen Problemen. Nach stationären Aufenthalten in der Psychiatrie blieb eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit schizophrenen Zügen zurück. Dazu leidet er unter Zwangsstörungen. Gewisse Zahlenkombinationen und Lärm bereiten ihm Probleme. Letzteres führte auch zur Eskalation im letzten Sommer. Sein Vater hatte nämlich entgegen Versprechungen immer wieder eine schwer Alkoholisierte in die Wohnung gelassen.

Am Tatabend im August war der 23-jährige wieder einmal durch Lärm aus dem Schlaf gerissen worden. Erst bewarf er das Paar mit Tomaten und Löffeln, holte dann jedoch ein Steakmesser aus der Küche und stach es dem Vater direkt in die Herzgegend. Dieser war dadurch zwar nicht lebensgefährlich verletzt worden, Lebensgefahr bestand aber schon rein anatomisch.

Zudem hatte der nur eingeschränkt Zurechnungsfähige direkt danach bei der Polizei ausgesagt, dass er Blut hätte sehen wollen, der Vater selbst schuld an der Situation sei und er über weitere Konsequenzen zunächst nicht nachgedacht hätte.

Vor den Geschworenen relativierte der 23-Jährige zwar diese Aussagen insofern, dass er den Vater durch den Herzstich doch nicht hätte töten wollen, ansonsten hätte er ja ein zweites Mal zugestochen. Der Vater hat sich von dem Vorfall gesundheitlich erholt und seinem Sohn verziehen.

Die Geschworenen sahen jedoch einstimmig Mordversuch und verhängten – etwas über der Mindesstrafe – elf Jahre Haft. Der Verurteilte erbat sich Bedenkzeit. (TT.com)