Letztes Update am Di, 09.04.2019 20:15

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Mord in Fritzens: 74-Jähriger zu 20 Jahren Haft verurteilt

Vor einem Jahr wurde die stark verweste Leiche eines 75-Jährigen am Innufer in Fritzens gefunden. Ein guter Bekannter wurde beschuldigt, den Mann erschlagen zu haben – und nun zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Als vergangenen April am Inn in der Nähe des Fritzener Fußballplatzes ein Plastiksack mit einer verwesten Leiche entdeckt wurde, handelte es sich um den 75-jährigen Innsbrucker Elmar Rösch. Dieser hatte in den 80er-Jahren mit dem Rotlichtmilieu zu tun. Bereits im Juli galt ein Bekannter von Rösch als mordverdächtig.

Laut Polizei gestand der 74-Jährige, seinen Bekannten bereits im Mai 2016 getötet zu haben. Ein geändertes Testament und die Androhung der Delogierung standen als Motiv im Raum. Die genauen Umstände der Tat blieben aber unklar. Dies änderte sich auch am Dienstag beim Mordprozess nicht.

Mehrere Versionen zum Tatablauf

So gab der älteste je am Landesgericht des Mordes Angeklagte hier seine vierte Tatversion zum Besten – ohne dass dies den Geschehensablauf vor drei Jahren aber weiter erhellte. Nach einer gestandenen Attacke mit einem Meißel folgte ja eine Notwehrversion und erst letzte Woche nochmals eine Geschichte um die Ermordung bei einem Drogengeschäft durch Italiener.

Der Angeklagte und sein Opfer waren über Jahre befreundet: Kennen gelernt hatten sich die Männer in den 1990er Jahren in der Justizanstalt Innsbruck. „Ich hätte doch meinen Freund nie umgebracht, einen besseren hatte ich nie!“, beschwor der 74-Jährige. Aus Dankbarkeit für die Wohnmöglichkeit habe er diesen zu Drogengeschäften chauffiert. Dort sei Rösch von Italienern erschlagen worden. „Ich war in Panik. Ich habe ihn dann in Plastiksäcke verpackt und am Inn zur Ruhe gebettet.“

Staatsanwalt Hannes Wandl hinterfragte darauf aber schon, was es für einen Sinn mache, einen blutüberströmten Toten in Plastiksäcke zu verpacken und dann 800 Meter weiter am Innufer abzulegen: „Hier sollte keiner zur Ruhe gebettet werden. Hier sollte eine Leiche verschwinden!“ Verteidiger Markus Abwerzger verwies auf das Fehlen objektiver Beweise und wollte dem 74-Jährigen eine so brutale Tat nicht zutrauen. Die Geschworenen aber offenbar schon. Einstimmig verhängten sie für Mord nicht rechtskräftig 20 Jahre Haft. Sie befanden den 74-Jährigen schuldig, Elmar Rösch (75) im Frühjahr 2016 durch sechs heftige Schläge mit einem massiven Gegenstand gegen den Kopf getötet zu haben.

Eindeutige DNA-Spuren an der Leiche

In seiner Aussage erklärte der Gerichtsmediziner Walter Rabl, dass die genaue Todesursache aufgrund der langen Liegezeit und des Verwesungszustandes der Leiche nicht mehr eindeutig geklärt werden konnte. Es sei aber durchaus plausibel, dass das Opfer aufgrund der zahlreichen Trümmerbrüche auf der rechten Schädelhälfte gestorben sei.

Die Schläge, die diese Brüche verursacht hatten, müssen sehr wuchtig gewesen sein, fügte er hinzu. Mit derart gravierenden Verletzungen wäre der 75-Jährige vermutlich auch mit ärztlicher Hilfe verstorben, so der Sachverständige.

Die Liegezeit der Leiche habe jedenfalls mehr als ein Jahr betragen. Da der Körper aber in mehreren Müllsäcken verpackt war, sei diese sehr schwer einzuschätzen, sagte Rabl. Zwischen den Beinen der Leiche war eine alte Bremsscheibe gefunden worden. Diese komme als Tatwaffe durchaus infrage, erklärte der Gerichtsmediziner. An der Bremsscheibe selbst seien jedoch keine Spuren entdeckt worden.

DNA-Spuren des Angeklagten seien bei der Leiche gefunden worden. An der Innenseite mehrerer Klebebänder, mit denen die Müllsäcke befestigt worden waren, konnte DNA, die eindeutig dem Beschuldigten zugeordnet werden könne, sichergestellt werden, erläuterte eine Sachverständige.