Letztes Update am Fr, 12.04.2019 17:16

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Marokko

Schweizer wegen „Terrorismus“ in Marokko zu 10 Jahren Haft verurteilt

Nach dem Doppelmord an zwei Rucksacktouristinnen Mitte Dezember waren rund 20 Menschen verhaftet worden. Darunter ein 33-jähriger Schweizer, der auch die spanische Staatsbürgerschaft hat. Er sei mit Terrorverdächtigen in Kontakt gewesen und dafür bezahlt worden.

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Rabat – Ein Schweizer ist in Marokko wegen „Gründung einer terroristischen Vereinigung“ zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Der 33-Jährige sei am 10. Jänner im Zuge der Ermittlungen zu dem Doppelmord an zwei Skandinavierinnen festgenommen worden, sagte sein Anwalt am Freitag. Das Urteil des Gerichts in Sale, nahe der Hauptstadt Rabat, stehe aber nicht in Zusammenhang mit der Gewalttat.

Nach dem Doppelmord an den Rucksacktouristinnen Mitte Dezember waren rund 20 Menschen verhaftet worden. Darunter ein Schweizer, der auch die spanische Staatsbürgerschaft hat. Der nun Verurteilte war festgenommen worden, nachdem er von diesem Landsmann eine E-Mail erhalten hatte. Er stand zudem in Kontakt mit anderen Schweizern, die wegen ihrer Beziehungen nach Syrien als verdächtig gelten.

Nach Angaben seines Anwalts trat der 33-Jährige im Auftrag der Schweizer Behörden mit diesen Terrorverdächtigen in Kontakt und wurde dafür bezahlt. Der Anwalt kündigte an, Berufung einzulegen. Das Urteil sei auf Grundlage eines Polizeiberichts auf Arabisch gefallen. Sein Mandant habe den Bericht unterschrieben, ohne ihn gelesen zu haben. Die marokkanischen Behörden äußerten sich zu dem Fall nicht.

Zwei Frauen im Dezember enthauptet

Die Untersuchung des Doppelmordes an den jungen Skandinavierinnen ist noch nicht abgeschlossen. Mitte Dezember waren die beiden Frauen enthauptet worden. Die Leichen der 24-jährigen Dänin und ihrer vier Jahre älteren norwegischen Freundin waren im Atlas-Gebirge gefunden worden.

Rund 20 Menschen wurden wegen mutmaßlicher Verbindungen zu der Tat festgenommen. Die vier Hauptverdächtigen wurden in Marrakesch gefasst. Die Männer hatten nach Angaben der Staatsanwaltschaft der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) die Treue geschworen. Der festgenommene Schweizer mit spanischer Staatsbürgerschaft steht im Verdacht, einige der Verdächtigen in moderner Kommunikationstechnik und im Schießen unterrichtet zu haben. (APA/AFP)