Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 16.04.2019


Bezirk Kufstein

Abwasser abgeleitet? Suche nach Umweltsünder in Alpbach läuft

Brauner Schlamm in einem Alpbacher Gewässer ruft die Behörden auf den Plan. Vermutet wird eine Ableitung von Abwasser.

Schleimbildung in einem Seitenbach des Alpbachs: Es handelt sich nicht um Fäkalien, sondern vermutlich um Abwasser aus einer Küche.

© privatSchleimbildung in einem Seitenbach des Alpbachs: Es handelt sich nicht um Fäkalien, sondern vermutlich um Abwasser aus einer Küche.



Von Jasmine Hrdina

Alpbach – Mehr Ekel als Entspannung brachte ein Spaziergang Anfang April einem Alpbacher. Der Mann stieß im Bereich Innere Neader auf braune Schlammschichten, die einen Seitenbach des Alp­bachs verunreinigten. „Da leitet jemand Fäkalien in das Gewässer“, dachte der besorgte Bürger und alarmierte gleich den Fischereibeauftragten Alois Prosser. Auch er vermutete abgeleitetes Kanalwasser und informierte die Gemeinde. Zwei Wochen später gibt BM Markus Bischofer auf Nachfrage der TT Entwarnung. „Es handelt sich hier nicht um Fäkalien.“ In Alpbach seien 98 Prozent aller Liegenschaften an das Kanalsystem angeschlossen, man kenne die wenigen Häuser genau, die noch mit dichten Gruben arbeiten, so der Dorfchef. Vielmehr liege die Vermutung nahe, dass hier das Abwasser aus einer Wasch- oder Bauernküche eingeleitet wurde. Die Schleimbildung im Gewässer weise auf chemische Substanzen bzw. Fettreste hin. Bei alten Baubeständen sei dies nicht ungewöhnlich, oft seien die Rohre von Zubauten an den Regenwasserkanal angeschlossen worden. „Man darf hier niemandem Böswilligkeit unterstellen. Aber die Sorgfältigkeit sollte vorherrschen, wenn unsere Gewässer sauber sein sollen“, sagt Bischofer.

Mitarbeiter des Bauhofs werden in den nächsten Tagen an die Türen der Häuser in der Umgebung klopfen, um den (unbewussten) Umweltsünder ausfindig machen zu können. Dazu wird das Wasser in den Küchen mit Lebensmittelfarbe koloriert, um die Quelle der Verunreinigungen eruieren zu können.

Der Schlamm rief die Behörden auf den Plan.
Der Schlamm rief die Behörden auf den Plan.
- privat

Die BH Kufstein (Abteilung Umwelt) kündigt indes einen Lokalaugenschein durch einen Amtssachverständigen an, um sicherzustellen, um welche Verunreinigung es sich hier tatsächlich handelt.

Auf die Qualität des Wassers im Alpbach dürfte der Vorfall keine dramatischen Auswirkungen haben, meint der Fischereibeauftragte. „Solange es in dem kleinen Ausmaß bleibt.“ Ein größerer Dorn im Auge sind Prosser allerdings schwarze Schafe unter den Landwirten. Immer wieder habe er Probleme mit unsachgerecht in Bächen entsorgter Gülle. Die Suche nach dem Umweltsünder verlaufe aber oft im Sand.