Letztes Update am Mo, 15.04.2019 14:23

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Italien

Italienische Versicherungsbetrüger zertrümmerten Opfern Knochen

Eine sizilianische Kriminellenbande, zu der auch Ärzte gehörten, kassierte insgesamt 1,6 Millionen Euro mit Versicherungsbetrug. Sie soll unter anderem Menschen absichtlich Knochenbrüche zugefügt und sie als Opfer von Verkehrsunfällen gemeldet haben.

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Rom, Palermo – Die italienische Polizei ist zum zweiten Mal binnen weniger Monaten besonders brutalen Versicherungsbetrügern auf die Schliche gekommen. 42 Personen wurden am Montag in Palermo wegen des Vorwurfs festgenommen, Menschen absichtlich Knochenbrüche zugefügt und sie als Opfer von Verkehrsunfällen gemeldet zu haben. Auf diese Weise kassierten sie hohe Versicherungssummen.

1,6 Millionen Euro erwirtschaftete die sizilianische Kriminellenbande, zu der auch Ärzte gehörten, die falsche Befunde zu den Verletzungen erstellten. Den Verdächtigen werden Körperverletzungen, Wucher, Erpressung, Betrug und Geldwäsche vorgeworfen, wie die Polizei am Montag mitteilte.

Opfer erhielten als „Lohn“ kleinere Geldbeträge

Bei den Opfern handelte es sich häufig um sozial Schwache, Drogenabhängige, Alkoholiker oder andere Benachteiligte, die kleinere Beträge erhielten, um sich verletzen, oder verstümmeln zu lassen. Oft wurden die Verletzten, die ihre zu zertrümmernden Gliedmaßen wählen durften, jedoch mit 50 bis 100 Euro abgespeist. Eines der Opfer, dem Knochen mit Eisenstangen oder Zementsteinen gebrochen wurden, kam auf die Intensivstation. Die Polizei stellte 76 Fälle von Körperverletzungen fest. Den Opfern wurden hohe Dosen an Betäubungsmitteln verabreicht.

In einem Fall sei ein tunesischer Migrant sogar gestorben. Dem Mann waren schwere Verletzungen zugefügt worden. Weil er sich wegen der Schmerzen beklagte, wurde ihm Crack verabreicht. Der Mann sei an einem Herzstillstand gestorben, berichtete die Polizei. Erst durch diesen Toten war die Polizei überhaupt auf die Spur der Verbrecher gekommen. Zunächst war angenommen worden, dass der Tunesier bei einem Verkehrsunfall umgekommen war. Sein lebloser Körper war auf einer Straße in der Peripherie Palermos gefunden worden. Einige Opfer sitzen nun im Rollstuhl oder haben lebenslange Beeinträchtigungen.

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Die Verletzten wurden am Rande Palermos bei gestellten Unfällen am Straßenrand platziert, angebliche Zeugen machten dann falsche Angaben gegenüber den Rettungskräften. Elf Personen waren wegen eines ähnlichen Betrugs bereits im vergangenen August auf Sizilien festgenommen worden. (APA)