Letztes Update am Di, 16.04.2019 07:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Pradler Wirtin nach Pitbull-Attacke Pflegefall, Herrl wurde freigesprochen

Nach einer Kampfhund-Attacke in Innsbruck war eine Pradler Wirtin acht Monate ein Pflegefall. Der Hundehalter blieb straffrei.

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© Thomas BöhmSymbolfoto.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Fünf Wochen in der Klinik, 120 Therapien, acht Monate pflegebedürftig: Für eine 70-jährige Innsbruckerin hatte die Attacke durch einen Kampfhund vor über einem Jahr schwerwiegende Folgen. Für den Besitzer des Tieres nicht – der Mann wurde am Innsbrucker Bezirksgericht vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung freigesprochen. Allerdings ist der Fall damit noch nicht abgeschlossen – das Opfer hat eine zivilrechtliche Klage eingebracht.

Schauplatz der Attacke war am 24. Februar 2018 ein Innenhof in der Gumppstraße. Ausgelöst wurde der Angriff vermutlich durch die drei kleinen Yorkshire-Terrier, mit denen die damals 69-Jährige ihre Gassi-Runde drehte. Plötzlich liefen zwei Pitbull-Terrier auf die Pradler Wirtin zu. Die Frau hob zwei Hunde auf, der dritte musste sein Heil in der Flucht suchen. Mit Erfolg – der kleine Hund dürfte sich vor dem Kampfhund unter einem Auto in Sicherheit gebracht haben.

Der zweite Pitbull hatte es auf die zwei Yorkshires in den Armen der Pradlerin abgesehen. Der Kampfhund sprang die Frau an, riss sie zu Boden und biss ihr in den Unterarm. „Ich wusste nur noch, dass ich aufstehen muss. Wie ich in die Wohnung kam, weiß ich nicht mehr“, schildert die 70-Jährige: „Ich bin noch immer traumatisiert. Heute habe ich Panik, wenn ich einen großen Hund sehe, früher nie.“

Die Yorkshire-Terrier blieben unverletzt. Das Frauchen erlitt neben der Bisswunde am Arm durch den Sturz eine Zertrümmerung des Schienbeinkopfs. Eine langwierige Verletzung – trotz 120 Therapie-Einheiten ist der Heilungsprozess noch nicht abgeschlossen. Noch immer müssen 22 Schrauben den Knochen stabilisieren. Ein Dreivierteljahr war die Wirtin ein Pflegefall. „Und ich der Pfleger“, erzählt der 75-jährige Ehemann.

Der Pitbull-Besitzer musste sich am Innsbrucker Bezirksgericht verantworten: Dabei gab er an, dass die Hunde aus dem Auto gesprungen seien. Er habe wohl zu wenig darauf geachtet, ob die Autotür geschlossen war. Der Amtstierarzt attestierte, dass vom Pitbull ein „mittleres Risiko“ ausgeht. Der Veterinär empfahl, das Tier künftig anzuleinen. Der Richter sah kein strafrechtliches Verschulden und fällte für den Hundehalter einen Freispruch. Allerdings fordert das Opfer auf dem Zivilgerichtsweg Schadenersatz.