Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 19.04.2019


Gerichtssplitter

Snowboarder verlor in Sölden bei Unfall Bein: Pistenraupenlenker angeklagt

Nach Beendigung der Ermittlungen hat die Innsbrucker Staatsanwaltschaft nun beim Bezirksgericht Silz gegen den 23-jährigen Pistenraupenfahrer einen Strafantrag wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung erhoben. Demnach war die Fahrt mit der Raupe zum Zeitpunkt des Unglücks gar nicht notwendig.

Trotz strenger Sicherheitsvorkehrungen kommt es immer wieder zu schweren Unfällen mit Pistenraupen (Symbolbild).

© thomas boehmTrotz strenger Sicherheitsvorkehrungen kommt es immer wieder zu schweren Unfällen mit Pistenraupen (Symbolbild).



Zu einem verheerenden Pistenunfall kam es Ende November in Sölden. Mitten am Nachmittag war damals eine Pistenraupe im Bereich einer Skiunterführung oberhalb der Rettenbachgletscher-Mautstelle auf der geöffneten Piste 30 unterwegs, als ein 44-jähriger Snowboarder gerade talwärts fuhr. Beim Zusammentreffen geriet der Deutsche dann mit dem linken Bein in die Fräse — es musste noch in der Klinik amputiert werden. Nach Beendigung der Ermittlungen hat die Innsbrucker Staatsanwaltschaft nun beim Bezirksgericht Silz gegen den 23-jährigen Pistenraupenfahrer einen Strafantrag wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung erhoben. Staatsanwalt Hansjörg Mayr auf Anfrage der TT: „Ihm wird vorgeworfen, dass er kurz nach 15 Uhr während der Liftbetriebszeit die Raupe auf der Piste gelenkt hat, obwohl die Fahrt nicht notwendig war. Dabei war es in der Folge zur Kollision mit dem talwärts fahrenden Snowboarder gekommen. Der 44-Jährige war daraufhin mit dem Snowboard gegen die am Heck des Pistengerätes angebrachte und nicht rechtzeitig abgeschaltete Fräse geraten. Dabei war dem Snowboardfahrer das linke Bein unterhalb des Knies abgetrennt worden. Dem Pistenraupenlenker drohen nun bis zu sechs Monate Haft oder eine Geldstrafe. Ein Termin am Silzer Bezirksgericht wurde für den Mai bereits anberaumt.

Zu einer ungewöhnlichen Konstellation war es gestern im Schwurgerichtssaal des Landesgerichts gekommen. Angeklagt war dort ein Stubaitaler wegen eines Verbrechens nach dem NS-Verbotsgesetz und gefährlicher Drohung. Angezeigt hatte ihn dessen eigene Tante. So sollte ihr der 40-jährige Neffe nicht nur mit dem Anzünden des benachbarten Wohnhauses gedroht haben, sondern auch noch laut „Heil Hitler!" gerufen haben. Eine Hausdurchsuchung brachte bei dem Arbeiter dann noch eine Weinflasche mit Hitler-Etikett, einen Pokal mit Hakenkreuz und einen Dolch mit NS-Insignien hervor. Im Prozess traf dann jedoch Einfalt auf Verwirrtheit — und so kam es im Saal mehrfach zu Lachern, die angesichts des Themas natürlich deplatziert waren. Die inhaltsleere Führer-Weinflasche vom Brenner, Zeugen, die mehr am Grillen als an Politik interessiert waren, ein Pokal des Großvaters vom Radrennen aus dem Jahr 1942 und ein Dolch vom Flohmarkt in Jesolo ließen die Geschworenen jedoch nicht vom Vorsatz einer NS-Wiederbetätigung ausgehen. Auch die Angaben der 73-jährigen Tante erschienen im Zweifel nicht konkret genug. So erging nicht rechtskräftig ein Freispruch.

Ein Jahr bedingte Haft und 1440 Euro Geldstrafe ergingen am Landesgericht rechtskräftig über jenen einstigen Rechtsanwalt (51), der sich im Zuge einer Sachwalterschaft der Untreue schuldig gemacht hatte — die TT berichtete. „Ich bin froh, dass dieser Albtraum zu Ende ist!", gestand der damals überforderte Advokat zu. (fell)