Letztes Update am Do, 18.04.2019 15:57

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschland

Mitschüler aus unerwiderter Liebe erwürgt: 15-Jähriger vor Gericht

In einer deutschen Kleinstadt spielte sich im vergangenen Oktober ein Drama ab: Ein damals 14-Jähriger tötete seinen zwei Jahre älteren Schulkollegen in einem Wald.

(Symbolfoto)

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Siegen – Aus unerwiderter Liebe soll ein damals 14-Jähriger in der deutschen Kleinstadt Wenden in einem Waldstück neben der Schule einen um zwei Jahre älteren Mitschüler erwürgt haben. Am Donnerstag hat am Landgericht Siegen (Nordrhein-Westfalen) mit einem Geständnis des Angeklagten der Prozess um die Bluttat begonnen. Dem Burschen, dem Totschlag vorgeworfen wird, drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Sein Mandant habe schon zuvor zugegeben, für den Tod des 16-Jährigen verantwortlich zu sein, sagte sein Verteidiger Martin Kretschmer vor Journalisten: „Das ist heute so geblieben.“ Das ungewöhnliche Verfahren startete unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Zunächst wurde die Anklage verlesen. Demnach sollen der damals 14-jährige Angeklagte und sein späteres Opfer am 30. Oktober 2018 die zweite Stunde geschwänzt und sich zu einer Aussprache im Waldstück getroffen haben. Der Jüngere war von kräftiger Statur und körperlich überlegen.

Auf Zurückweisung mit Gewalt reagiert

Der Angeklagte hatte den Vorwürfen zufolge schon mit 13 Jahren seine homosexuelle Neigung offenbart. Er sei in den Älteren verliebt gewesen. Die beiden waren trotz des Altersunterschieds in einer Jahrgangsstufe, besuchten einige AGs zusammen. Am Tag der Tat habe der 14-Jährige auf Sex gehofft. Der 16-Jährige erwiderte die Gefühle des Jüngeren aber nicht, es kam zum Streit. Der Jüngere reagierte mit Gewalt auf die Zurückweisung. Er würgte seinen Mitschüler laut Anklage, „bis Blut aus Mund und Nase austrat“, das Gesicht des Jugendlichen lief blau an.

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Anschließend schleppte der 14-Jährige demnach die Leiche zu einem anderen schulnahen Waldstück. Dort fand ihn ein Feuerwehrmann am Abend des nächsten Tages bei einer Suchaktion. Der Vater des Opfers hatte seinen Sohn vermisst gemeldet. Der 14-Jährige war zunächst als Zeuge befragt worden, verstrickte sich dann in Widersprüche. Mitschülern war dessen verdreckte und durchnässte Kleidung aufgefallen.

Der Angeklagte verzichtete am ersten Verhandlungstag auf eine Wortmeldung. Sein Verteidiger verlas eine Erklärung, die der mittlerweile 15-Jährige selbst formuliert hatte. Die Eltern des Opfers sind Nebenkläger, sie kamen am Donnerstag nicht nach Siegen. Ihr Anwalt machte zu Prozessbeginn keine keine Angaben. Dem Angeklagten droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren. Nach weiteren vier Verhandlungstagen soll das Urteil am 11. Juni fallen. (APA/dpa)