Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 20.04.2019


Bezirk Kufstein

Kufstein setzt im Sommer auf verstärkten Polizeieinsatz

Nach der Sicherheitsdiskussion im Vorjahr schicken die Kufsteiner Politiker heuer wieder Polizisten für zusätzliche Streifendienste auf die Straße.

Die Kufsteiner Stadtpolizisten müssen nicht nur über 13.000 Akten im Jahr wälzen, sie sorgen auch für mehr Sicherheit.

© OtterDie Kufsteiner Stadtpolizisten müssen nicht nur über 13.000 Akten im Jahr wälzen, sie sorgen auch für mehr Sicherheit.



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Durch die brutalen Überfälle auf Passanten im Frühjahr des Vorjahres, bei denen es einen Schwerverletzten gab, schlitterte Kufstein in eine Sicherheitsdiskussion. Von Videoüberwachung bis hin zu zusätzlichen Sicherheitskontrollen auf den Straßen reichten die Vorschläge. Zwar waren die Tatverdächtigen rasch ausgeforscht, trotzdem setzte die Stadtpolitik weiterhin auf eine verstärkte Präsenz ihres eigenen Wachkörpers in den Sommermonaten. Und das wird so bleiben, wie Bürgermeister Martin Krumschnabel und Vizebürgermeister Hannes Rauch (zugleich Obmann des neu gegründeten Sicherheitsausschusses) berichten.

Der Bürgermeister wollte an und für sich eine private Security-Firma mit der Streifentätigkeit beauftragen, der Stadtrat entschied anders. Die zusätzlichen Fußstreifen der Stadtpolizei seien aber in der Bevölkerung sehr gut angekommen, wie Krumschnabel einräumt. Daher wird auch heuer ein Zusatzbudget für Überstunden der zwölf Stadtpolizisten genehmigt.

Diese Streifengänge seien aber nur ein kleiner Teil der Aufgaben der Uniformierten, wie Krumschnabel und Rauch mit Verweis auf die aktuelle Statistik betonen. Allein der zu bewältigende Papierkrieg ist für die zwölf Polizisten unter Leiter Hartwig Bamberger enorm. So wurden 13.754 Akten verschiedenster Art bearbeitet. 2010 waren es noch 8790 Akten, wobei dies bereits eine Steigerung von 95 Prozent gegenüber dem Jahr 2009 (4528 Akten) bedeutete.

Dabei fielen 2018 sogar einige Bereiche weg. Die Stadtpolizei ist ein Gemeindewachkörper mit zusätzlich übertragenen Aufgaben. Dazu gehörte bislang auch die Bearbeitung von Delikten nach dem Strafrecht. Mit der Änderung der Strafprozessordnung ist dies nun obsolet. Sämtliche derartige bei der Stadtpolizei angezeigte Delikte werden sofort an die Bundespolizei weitergeleitet. „2018 wurden daher von den Beamten keine Gerichtakte aufgenommen“, wie es im Polizei-Bericht an den Sicherheitsausschuss heißt.

Das bedeutet nicht, dass keine Anzeigen vorgenommen wurden. So sind 7836 Verwaltungsanzeigen an die BH Kufstein übermittelt worden. Die Uniformierten haben zudem Organstrafmandate in der Höhe von 10.700 Euro direkt abkassiert. Dazu waren sie u. a. einmal die Woche mit dem Radargerät auf der Straße, kontrollierten so 3424 Fahrzeuge, von denen 257 zu schnell waren. Noch ein interessantes Detail findet sich in der Polizeistatistik: 2018 wurden von Group IV (ruhender Verkehr, Bundespolizei und Stadtpolizei) 467.737,92 Euro an Strafgeldern im Stadtgebiet eingenommen, um rund neun Prozent mehr als noch im Vorjahr. Das eingenommene Geld lässt aber nicht nur die städtische Kasse klingeln, sondern auch die des Bundes.

Nicht nur angesichts dieser Bilanz ist für die Kommunalpolitiker Krumschnabel und Rauch die städtische Polizei in ihrer Stärke nicht mehr wegzudenken, auch in sicherheitsrelevanten Fragen sei die Dienststelle gefordert. So musste man bei Streitigkeiten und Lärmbelästigungen 121-mal intervenieren bzw. Hilfestellung leisten. 152 Assistenzeinsätze wurden für die Bundespolizei durchgeführt. Ein Novum stellen übrigens die zweirädrigen Dienstfahrzeuge der Polizisten dar. Immerhin radelten sie damit während der Sommermonate 941 Kilometer durch das Stadtgebiet.