Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 20.04.2019


Bezirk Landeck

Grauerlenwäldchen in Serfaus ruft Umweltanwalt auf den Plan

In Serfaus soll ein Wald für eine Piste gerodet werden. Laut Bergbahnen gibt es gute Gründe. Der Landesumweltanwalt erhob Einspruch.

Für einen Skiweg soll in Serfaus ein Wald gerodet werden – der Landesumweltanwalt protestiert.

© TT / Thomas BoehmFür einen Skiweg soll in Serfaus ein Wald gerodet werden – der Landesumweltanwalt protestiert.



Von Matthias Reichle

Serfaus – Es ist von Pisten und Bahnen förmlich umzingelt – trotzdem hat sich mitten im Serfauser Skigebiet laut Umweltschützern ein ursprüngliches Stück Natur erhalten. Das kleine Wäldchen am Bach, unterhalb des Leithe-Wirts, beschäftigt derzeit das Landesverwaltungsgericht. Es sind Grauerlen, die dort wachsen – aufgrund des Feuchtgebiets spricht Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer auch von einem „Grauerlenbruchwald“. Die Bäume sollen nun allerdings gefällt werden – für einen neuen Verbindungsskiweg.

Die Pläne, die bereits grünes Licht der Bezirkshauptmannschaft Landeck bekommen haben, haben den Naturschützer auf den Plan gerufen. Er hat Beschwerde eingereicht, die Baumaßnahmen liegen damit auf Eis, bis das Gericht eine Entscheidung trifft.

„Die Bezirkshauptmannschaft hat eine ganze Reihe an Vorhaben in dem Bescheid genehmigt, unsere Beschwerde richtet sich nur gegen diesen einzelnen Skiweg, der in einem bisher unbeeinflussten Raum zu liegen kommen würde“, erklärt Kostenzer. Für die rund 400 Meter lange Verbindung vom Leithe-Wirt bis zur Mittelabfahrt soll der Bach auf rund 100 Metern Länge verrohrt, das Gelände angehoben und das uferbegleitende Wäldchen gerodet werden.

Über den Nutzen der Maßnahme scheiden sich die Geister. Für den Geschäftsführer der Komperdell-Seilbahn Stefan Mangott gibt es „gute Gründe“, die für das Projekt sprechen. Kostenzer hingegen sieht „keinerlei sicherheitstechnische Notwendigkeit“ und kann auch keine Attraktivitätssteigerung erkennen.

„Er kennt die Zusammenhänge nicht“, kontert Mangott den Landesumweltanwalt. „Wir sind zuversichtlich, dass wir diese Gründe, die der Landesumweltanwalt nicht gesehen hat, dem Gericht darlegen können“, betont er. Man müsse das jetzt abarbeiten und schauen, was herauskomme.

Die Seilbahn Komperdell GmbH hat heuer umfangreiche Pistenverbesserungen geplant – der Skiweg ist nur ein Teil davon. So sollen laut Mangott Abschnitte der Süd- und Mittelabfahrt verbreitert und aufgeschüttet werden.

Beim vom Skiwegbau betroffenen Grauerlenbruchwald handle sich um einen wichtigen „Rückzugsort“ und einen Trittstein in einem stark überformten Gebiet, so Kostenzer. Zahlreiche geschützte Arten kämen dort vor. Durch das Projekt würde dem Lebensraum das Wasser entzogen – er ginge in dieser Ausformung auf Dauer verloren. Man erkenne zwar die Bemühungen, den Eingriff naturverträglicher zu gestalten, an – nur würde der Verlust damit nicht ausgeglichen.

Für das natur-, forst- und wasserrechtliche Genehmigungsverfahren war die Bezirkshauptmannschaft Land­eck zuständig. Am 11. März wurde das Projekt in einer Interessenabwägung genehmigt – wie seitens der Umweltabteilung bestätigt wird.

Wie schnell das Landesverwaltungsgericht entscheiden wird, ist derzeit offen. „Wir sind so weit, dass wir Projekte frühzeitig einreichen“, so Mangott, „wenn es heuer nicht mehr umgesetzt werden kann, dann im nächsten Jahr.“