Letztes Update am So, 28.04.2019 11:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Spanien

Bluttat auf Teneriffa: Deutscher Priester soll Sechsjährigen betreuen

Familienangehörige seien zunächst nicht in der Lage gewesen, von Deutschland aus auf die Kanareninsel zu reisen. Daher soll sich ein deutscher Priester um den sechsjährigen Buben, der kümmern.

Nachdem der Sechsjährige gefunden worden war, startete eine umfangreiche Suchaktion, bei der die Mutter des Jungen und sein zehnjähriger Bruder tot aufgefunden wurden.

© www.imago-images.deNachdem der Sechsjährige gefunden worden war, startete eine umfangreiche Suchaktion, bei der die Mutter des Jungen und sein zehnjähriger Bruder tot aufgefunden wurden.



Adeje – Nach der Tötung einer 39-jährigen Deutschen und ihres zehn Jahre alten Sohnes auf Teneriffa soll sich soll sich laut Mitteilung einer Richterin in Arona ein deutscher Priester um den sechsjährigen Überlebenden kümmern. Der Junge wurde am Dienstag von Passanten weinend, mit dreckiger Kleidung und unter Schock aufgegriffen worden. Der Vater des Kindes wird verdächtigt, die getrennt von ihm lebende Mutter und seinen anderen Sohn in einer Höhle zu Tode geprügelt zu haben.

Familienangehörige seien zunächst nicht in der Lage gewesen, von Deutschland aus auf die Kanareninsel zu reisen. Sie hätten den Schock der Nachricht noch nicht verkraftet, berichteten spanische Medien am Samstag. Deshalb sollte nun zunächst der Priester einspringen und sich um den überlebenden Buben kümmern, der dem Angriff in letzter Minute entkommen konnte.

Die Behörden schätzen, dass das Kind an die fünf Stunden lang auf der Insel umher geirrt war. Der Sechsjährige habe der Polizei erzählt, dass der Vater die ganze Familie am Dienstag mit dem Wagen zur Höhle gefahren habe. Dort habe er sowohl die Mutter als auch die beiden Kinder attackiert, berichteten Medien. Dem Kleinen sei nach eigenen Angaben dann die Flucht gelungen.

Keine Entlassung auf Kaution

Eventuell werde der Priester auch als Vormund eingesetzt, zitiert die örtliche Zeitung Diario de Avisos die Richterin. Ob letztlich die Großeltern mütterlicherseits nach Teneriffa kämen oder eine Tante auf die Insel fliege, sei noch unklar, wurde die Ministerin für Soziales der Regionalregierung der Kanaren, Cristina Valido, zitiert. Die Ankunft der Angehörigen des Jungen war zunächst für den Freitag angekündigt gewesen. Der Sechsjährige wird seit Dienstag von Sozialarbeitern und Psychologen betreut.

Gegen den 43-jährigen Vater, der schon länger auf Teneriffa lebt, war am Freitagabend Haftbefehl erlassen worden. Die Möglichkeit, auf Kaution aus dem Gefängnis entlassen zu werden, gibt es nach dem Gerichtsbeschluss für ihn nicht.

Bei einer mehrstündigen Vernehmung habe sich der Mann geweigert, mit der Justiz zu kooperieren und lediglich immer wieder darauf verwiesen, ein Medikament aus seinem Haus zu benötigen, weil er Schmerzen in den Beinen habe. Vor der Verlegung ins Gefängnis sei er deshalb noch einmal in sein Haus gebracht worden, um die Medizin zu holen. Nachbarn beschimpften ihn Medien zufolge dabei als „Mörder“. Die Autopsie der Leichen soll in den nächsten Tagen Klarheit über den Tathergang bringen. (APA, dpa, TT.com)


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