Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 02.05.2019


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Messerstecherei in Imst: Mordprozess am 28. Mai

Eine Messerstecherei nach einer Party endete im Vorjahr tödlich. Vor dem Mordprozess spricht der 19-jährige Angeklagte von Notwehr.

Letzten Mai kam es auf dem Parkplatz des Imster Sportzentrums zu tödlichen Messerstichen.

© zeitungsfoto.atLetzten Mai kam es auf dem Parkplatz des Imster Sportzentrums zu tödlichen Messerstichen.



Innsbruck, Imst – Eine letztlich tödliche Auseinandersetzung unter jugendlichen Partybesuchern im letzten Mai führte im März zur Mordanklage gegen einen 19-Jährigen. Nun wurde seitens des Innsbrucker Landesgerichts auch ein Prozesstermin anberaumt. So wird am 28. Mai ein Schwurgericht mit im Jugendbereich tätigen Geschworenen beurteilen, ob die zum Tod führenden Stiche des 19-Jährigen als Mord zu qualifizieren sind.

Die Innsbrucker Staatsanwaltschaft wirft dem jungen Imster in ihrer Anklage ja vor, dass der Partybesucher auf dem Parkplatz des Imster Sportzentrums einen 17-Jährigen aus Lustenau mit zwei Messerstichen getötet hat, indem einer der Stiche direkt ins Herz des jungen Tischlerlehrlings gedrungen ist.

Zuvor war es auf der Party bereits zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen und schließlich auf dem Parkplatz gegen vier Uhr zu Tätlichkeiten zwischen den rivalisierenden Gruppen gekommen. Am Ende dieser Auseinandersetzung versetzte der Angeklagte dem 17-Jährigen die Messerstiche. Der Angeklagte gab die Tat letztlich auch zu und schilderte, dass er sich gegen einen möglichen Angriff habe wehren wollen.

Genau hier setzt Verteidiger Hubert Stanglechner an. Für den Innsbrucker Strafverteidiger handelte es sich in Imst um „ein tragisches Unglück“: „Es muss im Prozess erklärt werden, dass die Aggressionen an diesem verhängnisvollen Abend vom später zu Tode gekommenen 17-jährigen Burschen ausgingen. Nach Streitigkeiten hatte der Bursche mit einem Bekannten des nun Angeklagten vereinbart, sich gegenseitig so lange zu schlagen, bis einer am Boden liegt – und hat dann auch tatsächlich auf den Begleiter des Angeklagten eingeschlagen.“

Darauf hätte laut Verteidiger ein Freund des 17-Jährigen „dem bis dahin völlig unbeteiligten Angeklagten einen Faustschlag ins Gesicht versetzt“. Dazu wäre dann auch noch der 17-Jährige auf den Angeklagten zugerannt, um auf ihn einzuschlagen. „Der Angeklagte sah sich zwei Angreifern gegenüber, hatte panische Angst und stach auf den Burschen ein, um dessen Angriff abzuwehren. Der Angeklagte wollte den 17-jährigen Burschen nicht töten, sondern sich verteidigen“, so Stanglechner.

Letztlich verweist Verteidiger Stanglechner auf das mittlerweile vorliegende psychiatrische Gutachten zu seinem jungen Mandanten: „Bei meinem Mandanten handelt es sich um einen jungen Mann mit äußerlich eher schwächlich wirkender Erscheinung. Laut Gutachten weist dessen Persönlichkeitsstruktur kein erhöhtes Aggressionspotenzial auf.

Nach den Ermittlungsergebnissen lag aber wiederum für die Staatsanwaltschaft Innsbruck keine schuldeinschränkende oder -aufhebende Notwehrsituation vor. Für den Fall eines Schuldspruchs drohen dem 19-Jährigen bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Sein Fall war unlängst auch bekannt geworden, da er sich als Untersuchungshäftling von seiner Mitte März verstorbenen Mutter nicht mehr verabschieden konnte. Der Besuch der Trauerfeierlichkeit war damals abgelehnt worden, da für die Fahrt nach Imst kein Justizwache-Personal zu Verfügung gestanden hatte. (fell)


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