Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 02.05.2019


Exklusiv

Fußfessel sparte im Jahr 2018 in Tirol 13.000 Hafttage

Bis zu 40 Tiroler Häftlinge tauschen laufend Fußfessel gegen Zelle. Nur zehn Prozent verletzen dabei die Auflagen.

Erfolgsgeschichte: Bis zu 40 Tiroler Häftlinge tauschen laufend Fußfessel gegen Zelle. Nur zehn Prozent verletzen dabei die Auflagen.

© Thomas Böhm / TTErfolgsgeschichte: Bis zu 40 Tiroler Häftlinge tauschen laufend Fußfessel gegen Zelle. Nur zehn Prozent verletzen dabei die Auflagen.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Bis zu 600 Klienten betreute Neustart (Bewährungshilfe) 2018 laufend. Wie bei einer Partnervermittlung freut man sich dabei über den Schwund und nicht über die Zunahme an „Kunden“. So stellte Kristin Henning, Leiterin von Neustart Tirol, für 2018 erfreut fest, dass insgesamt kein Anstieg der Kriminalität zu verzeichnen war.

Neben der Haftentlassenenhilfe (270 Klienten letztes Jahr) arbeiten die 35 hauptberuflichen Bewährungshelfer an haftvermeidenden Programmen – und dies nach vorliegendem Zahlenmaterial mit Erfolg. So betreut Neustart laufend an die 40 Häftlinge, denen die Fußfessel gewährt wurde. Das „Leben in Arbeit“ will offenbar kaum jemand mit der Zelle tauschen. Henning: „Nur zehn Prozent der Klienten müssen wegen Arbeitsplatzverlust oder Auflagenbruch (z. B. Alkohol) diese Vollzugsart abbrechen.“ Dies ersparte in Tirol rund 13.000 Hafttage. Kein „Lercherl“ für den Steuerzahler bei Tagkosten von 125 Euro.

„Bewährungshilfe wirkt für Täter und Opfer. 70 Prozent unserer Klienten werden nicht mehr rückfällig.“
Kristin Henning 
(Leiterin Neustart)
„Bewährungshilfe wirkt für Täter und Opfer. 70 Prozent unserer Klienten werden nicht mehr rückfällig.“ Kristin Henning 
(Leiterin Neustart)
- thomas boehm

Auch die Rückfallquote ist gering. Wie beim Tatausgleich, wo 88 Prozent der Täter nicht neuerlich straffällig werden. In 75 Prozent der Fälle von 430 zugewiesenen Beschuldigten konnte zudem eine Einigung zwischen Opfern und Täter gefunden werden. „Hier herrscht große Zufriedenheit bei beiden Seiten. Das Strafverfahren wird eingestellt und für das Opfer kommt es zum emotionalen und monetären Ausgleich“, so Henning.

Auch die Vermittlung gemeinnütziger Leistungen statt Verurteilung oder Ersatzfreiheitsstrafe kann fatal wirkende Sanktionen verhindern. 75 Prozent der Zugewiesenen zogen Schwitzen einer Verurteilung vor. Und das Tiroler Social-Media-Pilotprojekt „Dialog statt Hass“ lief 2018 derartig gut an, dass es nun bundesweit umgesetzt wird.