Letztes Update am Sa, 04.05.2019 07:26

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kriminalstatistik 2018

Harte Zeiten für Straftäter in Tirol: Aufklärungsquote auf Höchststand

Die Tiroler Polizei konnte im Vorjahr fast sechs von zehn Delikten einem Verdächtigen zuordnen. Ein Rekordergebnis, für das es mehrere Gründe gibt. Dazu zählt auch die Videoüberwachung.

Leiter des Landeskriminalamtes Walter Pupp, Landespolizeidirektor Helmut Tomac und Stadtpolizeikommandant Martin Kirchler stellten am Freitag die Tiroler Kriminalstatistik 2018 vor.. (v.li.)

© zeitungsfoto.atLeiter des Landeskriminalamtes Walter Pupp, Landespolizeidirektor Helmut Tomac und Stadtpolizeikommandant Martin Kirchler stellten am Freitag die Tiroler Kriminalstatistik 2018 vor.. (v.li.)



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Die Anzahl der Straftaten mit einem Minus von 3,5 Prozent im Sinkflug, die Aufklärungsquote auf Rekordkurs – kein Wunder also, dass die Laune bei der Präsentation der Tiroler Kriminalstatistik mehr als gut war. Einer strahlte besonders: Innsbrucks Polizeikommandant Martin Kirchler: nicht nur über den Rückgang der Straftaten um 2,9 Prozent (von 13.202 im Jahr 2017 auf 12.809 im Vorjahr), sondern vor allem wegen der Aufklärungsquote. Ausgerechnet Innsbruck, vor elf Jahren mit einer Klärungsrate von gerade einmal 38 Prozent Tiroler Bezirksschlusslicht und Polizeisorgenkind, glänzt jetzt mit einem Rekordergebnis. 60,1 Prozent der Straftaten konnten im Vorjahr einem Täter zugeordnet werden: so viele wie noch nie in Innsbruck und mehr als im Tiroler Durchschnitt. Wobei dieser „Durchschnitt“ mit 58,6 Prozent ebenfalls Rekord bedeutet. „Ein historisches Ergebnis“, freut sich auch Landespolizeidirektor Helmut Tomac. Zum Vergleich: 2008 lag die tirolweite Klärungs­rate bei gerade einmal 44,3 Prozent.

Eine zufällige Entwicklung? Keineswegs, erklärt Kirchler. Innsbrucks Polizeichef macht mehrere Gründe für die Rekordquote verantwortlich. Die Basis für die Ermittlungserfolge sei die „hochprofessionelle Tatortarbeit“. Auch bei kleinen Delikten werden winzige Spuren an unmöglichen Orten sichergestellt. Weiters führt Kirchler die „professionelle erkennungsdienstliche Behandlung“ an. Anders ausgedrückt: Auch die Fingerabdrücke von Kleinkriminellen werden nicht nur registriert, sondern mit Computerhilfe mit den Spuren von unbekannten Tätern verglichen. So stellt sich beispielsweise heraus, dass Herr Ladendieb auch für zwei bislang ungeklärte Einbrüche verantwortlich ist. Die zunehmende Anzahl von Überwachungskameras im Innsbrucker Stadtgebiet spielt ebenfalls eine Rolle – immer mehr Bereiche und damit auch Tatorte werden von Kameras erfasst. „Wir lassen keine Möglichkeit aus, um an die Filme zu gelangen“, schildert der Innsbrucker Polizeichef. Nicht selten kommen die Kriminalbeamten so zu Aufnahmen von Tätern.

Das von Kirchler beschriebene Erfolgsrezept ist keine Innsbrucker Erfindung, sondern auch für die stetig verbesserten Aufklärungsquoten in Tirol und ganz Österreich verantwortlich. In diesem Zusammenhang verweist Walter Pupp, Chef des Landeskriminalamtes, auf einen weiteren Aspekt: den stetigen Rückgang bei den Straftaten. So waren es 2008 noch fast 48.000 Delikte in Tirol, im Vorjahr nur noch 40.139. Ein Rückgang von über 16 Prozent. „Je weniger Delikte, desto besser die Aufklärungsquote“, sagt Pupp: „Weil den einzelnen Beamten mehr Zeit für die Bearbeitung der einzelnen Straftaten bleibt.“

Kriminalstatistik im Detail

Straftaten: 40.139 Delikte wurden im Vorjahr in Tirol zur Anzeige gebracht, so wenige wie zuletzt in den 90er-Jahren. Zum Vergleich: 2008 zählte die Polizei 47.610 Straftaten.

Aufklärungsquote: Der Rekord von 2017 (55,6 Prozent) konnte im Vorjahr um weitere drei Prozent verbessert werden.

Verdächtige: 27.308 Verdächtige wurden im Vorjahr ausgeforscht, um 6,7 Prozent mehr als 2017. Davon waren 21.891 Männer. Mit 9043 Verdächtigen waren 25- bis 39-Jährige die kriminellste Altersgruppe.

Ausländer: 44 Prozent der Verdächtigen kommen aus dem Ausland. Am „schlimmsten“ waren die Deutschen (2725 Verdächtige), die aber auch mit Abstand am zahlreichsten sind. Dann folgen Türken (817) vor Rumänen (749), Afghanen (641) und Italienern (613). Marokko ist erstmals seit Jahren aus der Top-Five-Wertung gefallen.

Gewalttaten: In diesem Bereich verzeichnete die Polizei einen leichten Rückgang von 6211 (2017) auf 6167 im Vorjahr.

Gewalttäter: Von den 6768 ausgeforschten Gewalttätern waren 86 Prozent Männer und 42 Prozent Ausländer. In sechs von zehn Fällen kannten sich Täter und Opfer.

Gewaltopfer: 7766 Menschen wurden Opfer von Gewalttaten, um 4,4 Prozent mehr als 2017. 4506 waren Männer, 2844 Frauen, 416 Kinder unter 14 Jahren.

Mord: Fünf Menschen wurden 2018 in Tirol ermordet. Weiters konnte das Landeskriminalamt im Vorjahr einen Mordfall aus dem Jahr 2016 klären.

Raub: Von 63 Raubdelikten konnte die Polizei 2018 mehr als die Hälfte (54 %) klären. Die Anzahl ging um etwa ein Drittel zurück.

Einbrüche: Die Polizei bearbeitete im Vorjahr 2608 Einbrüche, um 4,2 Prozent weniger als 2017. Ein Fünftel konnte geklärt werden. Meist traf es Firmen und Geschäfte (646), dann Wohnungen (176), Wohnhäuser (151) und Autos (141).

Internet: Die Internetkriminalität boomt – 1631 Fälle bedeuten ein Plus von 23 Prozent. Zum Vergleich: 2008 waren es noch 283 Delikte. Der Großteil der Fälle waren Internetbetrügereien (965). Die Anzahl der Kinderporno-Delikte hat sich fast verdreifacht – von 64 auf 156.

Suchtgift: 3781 Suchtmittel-Anzeigen bedeuten einen Rückgang von 5,3 Prozent. Als Folge des Strategiewechsels war die Polizei mehr auf Dealer fokussiert. Entsprechend stieg die Anzahl der Anzeigen wegen Drogenhandels von 245 auf 321.