Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 12.05.2019


Kampfhunde

Hundetrainer befürworten teilweise Maulkorbpflicht

Gruppe von gewaltfrei arbeitenden Trainern erstellt Leitfaden für Hundehaltung: mehr Wissen über Hunde schon im Kindergarten, strengere Vorschriften für Züchter.

Bettina Specht (Hundeschule Tirol) im Training mit ihrem Rhodesian Ridgeback. Das Wissen über Hunde hat „drastisch abgenommen“, sagt die renommierte Hundetrainerin.

© spechtBettina Specht (Hundeschule Tirol) im Training mit ihrem Rhodesian Ridgeback. Das Wissen über Hunde hat „drastisch abgenommen“, sagt die renommierte Hundetrainerin.



Von Brigitte Warenski

Innsbruck, Leutasch — Der jüngste Beißvorfall in Götzens mit einem verletzten Kind hat die Diskussion um die Hundehaltung auch in Tirol wieder ins Rollen gebracht. Bundesweit hat Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein bereits zu einem runden Tisch geladen, in Tirol hat Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf strengere Vorschriften und Neuerungen angekündigt.

Auch die Profis haben sich in Tirol in das Thema eingeklinkt: Eine Gruppe von gewaltfrei arbeitenden Hundetrainern (Kynologische Arbeitsgruppe Tirol), darunter Problemhunde-Spezialistin Bettina Specht, haben einen Leitfaden erstellt, „den wir der Landesrätin präsentiert haben". Gefordert wird ein „verpflichtender Sachkundenachweis für Halter, der bei einem zertifizierten Trainer abgelegt werden muss". Derzeit ist der Beruf des Trainers in Österreich „ein freies Gewerbe und es gibt Leute, die sich nach einem Wochenendseminar zum Trainer berufen fühlen und mit gefährlichen Hunden arbeiten, aber kein Wissen darüber haben".

Mit dem Sachkundenachweis ist man laut Specht „zwar kein Hundeprofi, aber man bekommt ein Basiswissen über Hunde — das leider drastisch abgenommen hat. Und Wissen ist als Prävention wichtigster Ansatzpunkt, um Beißvorfälle auch im eigenen Zuhause zu vermeiden, wo es die meisten Zwischenfälle gibt." 64 Prozent der Bissattacken haben sich 2016 laut Österreichischem Halterverband in den eigenen vier Wänden mit dem eigenen Hund ereignet. Am häufigsten waren Kinder Opfer, die durch Bisse in den Kopf bzw. ins Gesicht zum Teil schwer verletzt wurden. Daher wünscht sich Specht, „dass Kinder bereits im Kindergarten durch Schulungen und Lehrmaterial den richtigen Umgang mit dem Hund lernen". In die Pflicht nehmen wollen die Trainer zudem die Züchter. „Es braucht eine artgerechte Aufzucht der Welpen und eine verantwortungsvolle Vermittlung." Dazu gehört auch, dass man nicht jeden Hund an jeden Menschen verkauft. „Ein Vollblutjagdhund kann in einer Wohnung leicht zu einem echten Problemhund werden", weiß Specht.

Für sie hat auch „eine partielle Leinen- und Maulkorbpflicht ihre Berechtigung. Ich denke an Orte, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen wie z. B. auf dem Weihnachtsmarkt." Wird ein Hund bedrängt, „kann er abschnappen, und da ist ein Biss von einem Dackel in die Achillessehne gefährlich". Wer, wann, wen und wo gebissen hat, „diese Daten sind wichtige Quellen. Je detaillierter eine Bissstatistik ist, desto genauer sind die Informationen, die man in die Präventionsarbeit oder das Hundetraining einfließen lassen kann."

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Polizei darf nicht kontrollieren

Über 35.000 Hunde gibt es in Tirol. Einige Details über Neuerungen bei der Hundehaltung hat das Land Tirol gegenüber der Tiroler Tageszeitung präzisiert.

Leinen- und Maulkorbpflicht: Schulen oder Kinderspielplätze und Park- und Badeanlagen sowie Verkehrsmittel, aber auch Veranstaltungen. Weitere Bereiche können nach Bedarf von Gemeinden per Verordnung ausgewiesen werden. Im Herbst soll der Gesetzestext (Landespolizeigesetz) dem Landtag zur Beschlussfassung vorgelegt werden.

Überprüfung der Leinen- und Maulkorbpflicht für auffällige Hunde: Für eine Mitwirkung der Exekutive hinsichtlich einer Einhaltungsüberprüfung benötigt es eine Zustimmung des Innenministeriums. Diese liegt derzeit nicht vor.

Trainer für den Sachkundenachweis: Diese Informationsveranstaltungen werden von fachlich geeignetem Personal durchgeführt werden. Das detaillierte Schulungskonzept ist derzeit noch in Ausarbeitung.

Beurteilung von auffälligem Verhalten: Geplant ist ein methodisch abgesichertes Beurteilungsverfahren für Sachverständige (= Amtstierarzt).