Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 11.05.2019


Gerichtssplitter

„Mit Verkehrsvorschriften stehen Sie auf Kriegsfuß“

Das Unfallwrack, in dem die Frau ums Leben kam.

© zeitungsfoto.atDas Unfallwrack, in dem die Frau ums Leben kam.



  • Im Jänner hatte sich auf der Inntalautobahn bei Telfs ein tödlicher Verkehrsunfall ereignet. Ein 32-Jähriger war Richtung Innsbruck unterwegs, als er von der Überholspur aus ungebremst in das Heck eines Kleinwagens krachte. Für die 76-jährige Lenkerin kam jede Hilfe zu spät. Gestern am Landesgericht war der Lenker der grob fahrlässigen Tötung angeklagt. Vor Richterin Helga Moser zeigte sich der Angeklagte gleich in voller Reue geständig und entschuldigte sich bei den Angehörigen: „Ich bedauere es aus tiefstem Herzen."
    Zuvor musste sich der Mann jedoch eine Standpauke von Richterin Moser anhören, hatte ihn doch zu seinem verwaltungsstrafrechtlichen Vorleben bei Gericht das Gedächtnis verlassen. Die Richterin hielt ihm dann 19 Strafen wegen Schnellfahrens und zu geringen Abstands vor: „Mit Verkehrsvorschriften stehen Sie auf Kriegsfuß. Sie sind ein notorischer Raser." Gerade beim tödlichen Unfall spielte dieser Aspekt jedoch keinerlei Rolle, war der Unternehmer doch völlig vorschriftsmäßig gefahren. Wegen eines Steinschlags war er aber so erschrocken, dass ihm ein Kuli aus dem Mund (!) gefallen war. Während der Fahrt hatte sich der 32-Jährige nach dem Schreibgerät gebückt und so das Fahrzeug nach rechts verrissen. Keine grobe Fahrlässigkeit für Verteidiger Harald Wille. Dem pflichtete das Gericht bei und verhängte nicht rechtskräftig wegen fahrlässiger Tötung acht Monate Haft. Die Strafe wurde auf drei Monate bedingte Haft und 10.500 Euro Geldstrafe aufgeteilt. Richterin Moser: „Sie sind der Lenkerin ungebremst aufgefahren. Sie hatte nicht die Spur einer Chance. Reue, Geständnis und volle ?Schadensgutmachung' hat Sie vor dem Gefängnis bewahrt."
  • In Schwierigkeiten brachte sich gestern am Landesgericht ein Georgier. Nach Diebstählen in Asylheimen war er in 15 Monaten weiter durch sechs Vermögensdelikte aufgefallen. Zuletzt ging es um Lederjacken. Im Prozess kam aufgrund von Papieren jedoch auf, dass der 37-Jährige unter völlig falscher Identität in Österreich seinen Asylantrag gestellt hatte. Dies gestand der Angeklagte sogar zu und nannte seinen richtigen Namen. Zwei — bereits verbüßte — Monate Haft ergingen. Bitte an die aus Deutschland angereiste Schwester seitens des Gerichts: „Bitte nehmen S' ihn doch gleich mit!"
  • Ein Freispruch von Tierquälerei erging am Oberlandesgericht über einen verurteilten Hundehalter. Er soll den nahenden Hund eines Bauern („Rambo") mit Pfefferspray auf Distanz gehalten haben. Zur Hälfte bedingte 2400 Euro Geldstrafe ergingen. Nach Berufung von Verteidiger Matthias König glaubte der OLG-Senat aber der Version des Hundehalters, wonach er den Spray doch nie eingesetzt hätte, wenn er nicht unmittelbar den Angriff „Rambos" befürchtet hätte. (fell)



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