Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 17.05.2019


Prozess

Innsbrucker Ex-Unternehmer wegen Spielsucht vor Gericht

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© Jan HetfleischSymbolfoto.



Einst war ein Innsbrucker ein erfolgreicher Fuhrunternehmer. Jetzt ist er pleite, arbeitslos und Angeklagter am Innsbrucker Landesgericht. Der Staatsanwalt wirft dem 50-Jährigen betrügerische Krida vor — „mit 459.000 Euro Schaden". Die Folge seiner Spielsucht, sagt der Tiroler, dessen Anwalt den effektiven Schaden mit 291.000 Euro beziffert.

Allein in den ersten vier Monaten des Vorjahres überwies der Unternehmer 175.000 Euro an eine Firma, die im Internet Glücksspiele anbietet. Seit 2016 war es laut Anklage über eine Million. „Kann sein, ich weiß es nicht, weil ich keine Aufzeichnungen geführt habe", sagt der Beschuldigte: „Ich dachte nie daran, dass Gläubiger einen Schaden erleiden könnten." Aber damit müsse man doch rechnen, zumal schon vorher Zahlungsschwierigkeiten bestanden, bohrt der Richter nach. „Nicht, wenn man vor dem Computer sitzt", beschreibt der Beschuldigte sein Suchtverhalten.

Etwa 2011 habe er mit dem Glücksspiel begonnen. Zunächst war's nur ein Spaß, auch Gutschriften als Lockmittel spielten eine Rolle. Schon bald entnahm der Angeklagte die Einsätze größtenteils dem Firmenkonto. Fast täglich „spielte ich am Computer, manchmal die ganze Nacht durch". Etwa ab 2016 auch, um seine Firma zu retten: „Ich wollte das Unternehmen mit Gewinnen stabilisieren." Ein Plan, der nicht aufging. Die Warnungen der Steuerberaterin schlug er in den Wind. Als Anfang 2018 auch noch zwei große Aufträge storniert wurden, war der Konkurs nicht mehr abzuwenden.

Jetzt soll ein Gutachter die Spielsucht des Angeklagten beurteilen. Die Verhandlung wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. (tom)