Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 24.05.2019


Tirol

Gerichtssplitter: Ungeduld forderte 13 Verletze auf Achenseebundesstraße

Geldstrafe für 23-Jährigen, der Beschleunigung des eigenen Autos überschätzte.

Trotz dichten Verkehrs hatte der Lenker des weißen Pkw auf der Achenseestraße zum Überholen angesetzt – mit fatalem Ausgang.

© ZOOM.TIROLTrotz dichten Verkehrs hatte der Lenker des weißen Pkw auf der Achenseestraße zum Überholen angesetzt – mit fatalem Ausgang.



Auf der Achenseebundesstraße B181 kam es an einem Sonntagnachmittag im Juli-Reiseverkehr zu einer Massenkarambolage. Grund dafür war das waghalsige Überholmanöver eines damals 22-Jährigen. Der Lehrling hatte wohl das Beschleunigungsvermögen seines Kompaktwagens falsch eingeschätzt und konnte sich nicht mehr einordnen. Letztlich prallte er gleich gegen drei entgegenkommende Pkw. Die Konsequenzen der Ungeduld waren fatal: 13 Personen — darunter Kinder — waren verletzt worden, zwei von ihnen waren eingeklemmt und mussten von der Feuerwehr mittels Bergeschere befreit werden. Zur Versorgung der zum Teil schwer verletzten Unfallopfer waren zahlreiche Rettungskräfte im Einsatz, unter anderen fünf Notärzte. Drei Hubschrauber und mehrere Rettungsfahrzeuge brachten die Verletzten in die Krankenhäuser. Gestern am Landesgericht sah Richter Josef Geisler entgegen der Anklage dennoch keine grob fahrlässige Körperverletzung. Hatte der Lehrling auf der ihm bestens bekannten Strecke doch gerade mit 60 km/h aus der Kolonne heraus überholt. Wetterbedingungen und Sicht waren gut und auch eine Alkoholisierung wies der Lehrling nicht auf. So blieb es für den Burschen bei einer Geldstrafe von zur Hälfte bedingten 2160 Euro. Die Schäden wird nun wohl ohne Regress die Haftpflichtversicherung übernehmen.

Auseinandersetzung in Moschee

Etwas unübersichtlich stellte sich am Landesgericht vor Richter Norbert Hofer ein Prozess wegen falscher Beweisaussage dar. Angeklagt war ein 54-jähriger Türke. Dieser war sich letztes Jahr in seiner Moschee mit einer von ihm beleidigten Landsfrau in die Haare gekommen. Die Titulierung hatte die Ehefrau derartig erregt, dass sie am Landesgericht sogar eine Ohrfeige zugestanden hatte. Der Angeklagte behauptete aber wiederum, dass ihn drei massive Faustschläge getroffen hätten. Ein Zeuge, der die Streitparteien in der Moschee trennen wollte, wollte weder das eine noch das andere gesehen haben, brachte jedoch eine Zuckerdose mit ins Spiel. Richter Hofer geduldig: „Bitte eine klare Antwort auf eine klare Frage: Hat die Frau den Angeklagten geschlagen?“ „Ich habe die Zuckerdose im Sackerl dabei!“, darauf der Angeklagte. Nach gut eineinhalb Stunden fällte Richter Hofer rechtskräftig einen Freispruch: „Eine oder zwei Personen lügen hier — ich kann aber nicht sagen, welche. Alle Einvernommenen widersprechen sich zudem. Für einen Schuldspruch reicht dies nicht aus!“ (fell)

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