Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 25.05.2019


Epileptischer Anfall

Staatsanwaltschaft prüft Hubschrauber-Unfall in St. Anton

Der Pilot soll durch einen epileptischen Anfall am Galzig bei St. Anton die Kontrolle über den Notarzt-Hubschrauber verloren haben.

Die Unglücksstelle am Galzig bei St. Anton.

© zeitungsfoto.atDie Unglücksstelle am Galzig bei St. Anton.



Von Thomas Hörmann

St. Anton – Ein Flugretter leicht verletzt, der Rettungshubschrauber beschädigt: Auch wenn der Flugunfall am Donnerstagvormittag in St. Anton vergleichsweise glimpflich ausging, ist der Hergang des Unglücks jetzt Gegenstand einer Untersuchung. Die Innsbrucker Staatsanwaltschaft hat den Helikopter bereits sicherstellen lassen: „Um das Fluggerät auf etwaige technische Mängel zu untersuchen“, sagt dazu Thomas Willam, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Außerdem sei – wie bei ­derartigen Fällen üblich – zu überprüfen, ob eine Fahrlässigkeit des Piloten zum Unglück geführt habe. Ein Gerichtssachverständiger aus Salzburg wurde bereits mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt.

Laut Polizei hat der Pilot des Notarzt-Hubschraubers Christophorus 5 während der Bergung eines Patienten einen medizinischen Notfall erlitten und so die Kontrolle über das Fluggerät verloren.

Wie am Freitag durchgesickert ist, könnte es sich beim medizinischen Notfall um einen epileptischen Anfall gehandelt haben. Ein gesundheitliches Problem, „das für einen Piloten zu einem Flugverbot führen kann“, sagt Austro-Control-Sprecher Markus Pohanka, ohne auf den konkreten Fall eingehen zu wollen. Tatsächlich ist es so, dass sich Berufspiloten alljährlich einer medizinischen Untersuchung zur Überprüfung der Flugtauglichkeit unterziehen müssen. „Letztendlich liegt die Entscheidung, ob jemand flugtauglich ist oder nicht, im Ermessen des Arztes“, erklärt Pohanka.

Der Heckrotor blieb nach der 270-Grad-Drehung in der Schneewand stecken.
Der Heckrotor blieb nach der 270-Grad-Drehung in der Schneewand stecken.
- zeitungsfoto.at

Wie bereits berichtet, hat ein Arbeitsunfall im Bereich Galzig-Arlensattel bei St. Anton am Donnerstag um 10.53 Uhr zur Alarmierung des Rettungshubschraubers geführt. Der 42-jährige Pilot stellte den Eurocopter H 135 zunächst oberhalb der Unfallstelle ab. Dann kümmerten sich Notarzt und Flugretter um den 37-jährigen Patienten und bereiteten ihn für den Transport vor. Als die beiden Helfer damit fertig waren, startete der Pilot den Hubschrauber und steuerte ihn näher zum Unfallopfer. Auf einer Forstweg-Kreuzung landete der Einheimische den Helikopter, stellte die Maschine dabei aber nicht ab. Als die insgesamt vier Helfer gerade dabei waren, den Verletzten in den Hubschrauber zu hieven, verlor der Pilot die Kontrolle über das Fluggerät. Der Eurocopter drehte sich 270 Grad um die eigene Achse, berührte dabei mit dem Heckrotor die Böschung, ehe er nach einer weiteren Kollision mit einer Schneewand zum Stillstand kam. Durch die plötzliche Bewegung des Helis mussten die Helfer das Verladen des Patienten abbrechen. Der 37-Jährige stürzte in der Folge aus dem Hubschrauber, erlitt aber keine weiteren Verletzungen. Lediglich ein Flugretter wurde leicht verletzt. Patient, Pilot und Helfer wurden im Zammer Krankenhaus versorgt.