Letztes Update am Mo, 27.05.2019 12:50

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wien

Vater erstochen: Wiener wegen Mordes zu zwölf Jahren verurteilt

Angeblich wollte der 32-Jährige den Vater von seiner krankhaften Alkoholsucht erlösen und habe ihn deshalb erstochen. Die Staatsanwalt hält das Urteil für zu gering. Sie meldete Berufung an.

(Symbolfoto)

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Wien – Für den Mord an seinem Vater ist am Montag ein 32-Jähriger Wiener am Landesgericht nicht rechtskräftig zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Während der Beschuldigte das Urteil annahm, meldete die Staatsanwältin Berufung gegen die ihrer Ansicht nach zu geringe Strafhöhe an.

Der Angeklagte war geständig, im August des Vorjahres seinen Vater erstochen zu haben. Der verwahrloste 59-jährige Alkoholiker hätte nur mehr dahinvegetiert. Er habe diesen „erlösen“ wollen, so seine Verantwortung. Für den anschließend geplanten Selbstmord hätte ihm dann der Mut gefehlt, weshalb er sich nach einer Woche der Polizei gestellt hatte.

Nachdem seine Beziehung in Brüche gegangen war, zog der Beschuldigte 2015 in Messie-Wohnung des Vaters ein. Der Sohn hatte ein gutes Verhältnis zu dem 59-Jährigen, doch störte ihn, dass der Mann enorme Mengen Alkohol trank, sich kaum noch duschte, nur noch rauchte und schlief und aufgrund der Antriebslosigkeit nicht einmal mehr auf die Toilette ging, sondern in die Badewanne urinierte.

Selbst zurück in Alkoholsucht gekippt

Anfangs kümmerte sich der 32-Jährige um die Finanzen des Vaters, räumte auf, renovierte und reparierte alles im Haus. Doch nach kurzer Zeit war wieder alles beim Alten. Zudem kippte er rasch in seine frühere eigene Alkoholsucht, was schließlich dazu führte, dass der Arbeitslose in der Früh mit der Pension des Vater Bier, Wein, Wodka, Leberkäse und Gebäck einkaufen ging. Danach verbrachten die beiden die meiste Zeit vor dem Fernseher, bis der Alkohol zu Ende war.

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Am 3. August 2018 wollte der Sohn diesem Geschehen ein Ende setzen. Nach Erledigung der Einkäufe ging er in das Zimmer des Vaters und stach zwei Mal mit einem Klappmesser auf den Hals des Schlafenden ein. Das Opfer erwachte, versuchte zu flüchten, doch der 32-Jährige hielt so lange die Tür zu, bis er einen „Pumperer“ hörte. Danach sah er seinem Vater beim Sterben zu und fing das Blut mit einer 1,5 Liter Cola-Flasche auf, bis diese vollständig gefüllt war. So wollte er sich die anschließende Reinigung erleichtern.

Leiche in Müllsäcke verstaut

Die Leiche steckte der Beschuldigte in Müllsäcke und verstaute sie in einem Kasten. Danach nagelte er die Türen zu und dichtete die Fugen mit Klebeband ab. Als er den Tatort vom Blut gereinigt hatte, tauchte er einige Tage unter. Nach einer Woche ging er zur Polizei und stellte sich. Laut gerichtspsychiatrischem Gutachten leidet der Beschuldigte an einer Persönlichkeitsstörung und stand zum Tatzeitpunkt unter Alkoholeinfluss, war aber zurechnungsfähig.

Vor Gericht verantwortete sich der Angeklagte schuldig, folgte aber der Linie seines Verteidigers Manfred Arbacher-Stöger, der auf Tötung auf Verlangen plädierte. Er stellte seinen Vater als hilflosen Menschen dar, der nur mehr dahinvegetiert hätte und ihn des öfteren gebeten hätte, „ihm zu helfen“. „Hat er gesudert oder gesagt ‚Bring mich um‘?“, wollte die Staatsanwältin wissen, die darauf hinwies, dass bisher in keiner Aussage diese Verantwortung genannt worden war. „Hauptsächlich gesudert. Bring mir a Zyankali und so etwas“, so der 32-Jährige.

„Hoffe, dass es dem Papa jetzt besser geht“

„Ich war von meiner Hilflosigkeit überfordert“, meinte der Beschuldigte, der auf eine unglückliche Kindheit, eine gescheiterte Beziehung ohne Kontakt zum Kind, Arbeitslosigkeit und Alkoholismus zurückblicken musste. „Ich war in so einem Loch, dass ich auch immer mehr gesoffen habe.“ Zum Zeitpunkt der Tat habe er nicht nachdenken können, aber schon länger einen Suizid geplant gehabt, für den bereits ein dreiviertel Jahr ein Strick bereit lag. Nach der Tat hätte er dafür „ein schönes Platzerl im Wald gesucht“, aber dann doch nicht den Mut aufgebracht.

Der Antrag Arbacher-Stögers, den Geschworenen die Eventualfrage Tötung auf Verlangen vorzulegen, wurde von den Berufsrichtern abgelehnt, weil sich dafür im Beweisverfahren kein objektiver Hinweis ergeben hätte. „Ich hoffe, dass es dem Papa jetzt besser geht“, sagte der 32-Jährige in seinem Schlusswort. (APA)