Letztes Update am Di, 28.05.2019 19:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Causa Erl: Zivilprozess Kuhn gegen Künstlerin endet mit Vergleich

Julia Oesch warf Gustav Kuhn vor, sexuelle Gegenleistungen für gute Rollen verlangt zu haben. Das muss sie künftig unterlassen.

Sängerin Julia Oesch und Gustav Kuhn, der Ex-Intendant der Festspiele Erl, einigten sich vor dem Landesgericht auf einen Vergleich.

© BöhmSängerin Julia Oesch und Gustav Kuhn, der Ex-Intendant der Festspiele Erl, einigten sich vor dem Landesgericht auf einen Vergleich.



Innsbruck – Gustav Kuhn kam, witzelte ob des großen Medieninteresses, dass er als neuer Kanzler nicht zur Verfügung stehe – und knapp 30 Minuten später war der mit Spannung erwartete Auftritt des einst einflussreichen Leiters der Tiroler Festspiele Erl am Landesgericht Innsbruck auch schon wieder vorbei. Eigentlich wäre am Dienstag die Befragung des Dirigenten anberaumt gewesen. Doch dazu kam es in dem von Kuhn gegen die Sängerin Julia Oesch angestrengten Zivilprozess nicht mehr. Die Streitparteien einigten sich auf einen Vergleich.

Kuhn hatte Oesch wegen Rufschädigung geklagt. Die Sängerin hatte in Interviews erklärt, dass sich Kuhn für die Vergabe von Rollen an sie s­exuelle Gegenleistungen erwartet habe. Einen bereits zugesicherten Part habe der damalige Festspielleiter umbesetzt, nachdem sie dies verweigert habe. Der Vorfall soll sich 1999 zugetragen haben.

Diese Behauptungen muss Julia Oesch künftig unterlassen. Den von Kuhn ursprünglich geforderten Widerruf gibt es allerdings auch nicht. Ausgeräumt sind die Vorwürfe gegen Kuhn, für den die Unschuldsvermutung gilt, also nicht. „Meine Mandantin hat einen Schluss gezogen, über den man ewig diskutieren könnte“, erklärt Oeschs Anwalt Markus Orgler. Sie habe nicht gelogen, „aber den Prozess würde sie verlieren“.

Mit Blick auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen sexueller Belästigung gegen Kuhn hätte sein Mandant sowieso keine Aussage gemacht, erklärte Kuhns Anwalt Michael Krüger. Einen Hinweis auf die finanzielle Situation der Beklagten mochte er sich auch nach erzielter Übereinkunft nicht verkneifen. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Hansjörg Mayr, bestätigte, liege der Bericht über weitere Vorhaben der Ermittler inzwischen beim Justizministerium in Wien.

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Vor der Verhandlung hatte Oesch erklärt, dass sie Kuhns Klage nicht daran hindere, „weiter Stellung zu beziehen und meinen Beitrag zu leisten, um die Arbeitsbedingungen für Musikerinnen und Musiker zu verbessern“. „Machtmissbrauch, Übergriffe und Machismus dürfen unseren Arbeitsalltag nicht mehr bestimmen“, so die Sängerin.

Oesch ist eine von fünf ehemals in Erl engagierten Künstlerinnen, die Kuhn im Sommer 2018 in einem offenen Brief „anhaltenden Machtmissbrauch“ und „sexuelle Übergriffe vorwarfen“. (jole)