Letztes Update am Do, 30.05.2019 07:28

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck-Land

Brandstiftungs-Serie mit Drohbriefen in Telfs aufgeklärt

Monatelang hat eine Brandserie und die Drohung weiterer Brandstiftungen in einem Telfer Wohnblock die Polizei beschäftigt. Jetzt stellte sich heraus, dass eine der Betroffenen gar nicht so unschuldig war, wie sie tat.

Immer wieder gab es Brände in dem betroffenen Wohnblock.

© Zeitungsfoto.at/TeamImmer wieder gab es Brände in dem betroffenen Wohnblock.



Von Thomas Hörmann

Telfs – So kann man sich täuschen. „Man findet mich nie“, hieß es noch im Jänner in den Drohbriefen, die im Zusammenhang mit einer Brandserie in einem Telfer Wohnhaus verteilt wurden. Jetzt hat die Telfer Polizei den mutmaßlichen Täter offenbar doch gefunden. Der 38-jährige Deutsche sitzt in U-Haft. Die Beamten konnten auch die angebliche Verfasserin der Briefe ausforschen. Die Hausbewohnerin wurde auf freiem Fuß angezeigt.

Zur Erinnerung: Das Telfer Mehrparteien-Doppelhaus Am Fuchsbühel 10 und 12 war innerhalb eines Jahres Schauplatz von fünf Brandstiftungen. Begonnen hat die Serie am Neujahrstag 2018 mit einem Kellerbrand. Als knapp eine Woche später ganz in der Nähe erneut ein Feuer ausbrach, glaubte niemand mehr an einen Zufall. Dann kehrte zunächst wieder Ruhe ein. Bis die Telfer Feuerwehr im vergangenen Dezember erneut zum Fuchsbühel ausrücken musste. Zuerst fingen illegal im Keller gelagerte Reifen auf geheimnisvolle Weise Feuer, drei Tage später gerieten im Stiegenhaus abgestellte Fahrräder in Brand. Die Flammen konnten zwar rasch gelöscht werden, der dichte Qualm sorgte aber bei beiden Einsätzen für Probleme. Und die waren so groß, dass die Feuerwehrmänner den Wohnblock zweimal evakuieren mussten – zwei Bewohner erlitten Rauchgasvergiftungen.

Im Jänner überschlugen sich die Ereignisse, die ohnehin schon angespannte Situation drohte endgültig zu eskalieren. Zunächst zündete der Brandstifter kurz nach dem Jahreswechsel ein Abdeckvlies im Stiegenhaus an. Dann erhielten mehrere Hausparteien am 7. Jänner Drohbriefe: „Haut ab, es werden noch zwei Wohnungen brennen“, lautete die Botschaft. Keine leere Drohung – tatsächlich meldete eine Bewohnerin (35) schon am nächsten Tag einen Brand. Ein Windel­eimer hatte am Vormittag in Abwesenheit der Familie im Kinderzimmer Feuer gefangen. Die 35-Jährige zählte übrigens zu den Empfängern des Drohschreibens. Dazu kam, dass die Familie delogiert werden sollte.

Kein Wunder also, dass die Hausbewohnerin in den Fokus der Ermittler geriet. Letztendlich waren es aber die gleichlautenden Drohbriefe, die bei der Klärung des Falles eine Schlüsselrolle spielten. Die Telfer Beamten fanden nämlich heraus, dass das 35-jährige „Brandopfer“ die Verfasserin der Schreiben war. Als die Polizisten die Telferin bei der Einvernahme mit diesem Ermittlungsergebnis konfrontierten, legte sie ein Geständnis ab. Die Mutter gab allerdings nur zu, die Briefe verfasst zu haben. Für die Brandstiftungen und die Verteilung der Schreiben sei ihr 38-jähriger Bekannter verantwortlich. Ein Deutscher, der in der Nähe des Doppelhauses wohnt, erfuhren die Polizisten.

Im Zuge der weiteren Ermittlungen erhärtete sich der Verdacht gegen den beschuldigten 38-Jährigen. Bei der Einvernahme bestritt der Deutsche aber, für die Brandstiftungen verantwortlich zu sein. Allerdings verwickelte er sich dabei in Widersprüche. Seine Festnahme war die Folge. Inzwischen hat das Landesgericht gegen den Verdächtigen die Untersuchungshaft verhängt. „Wir gehen davon aus, dass alle Brandstiftungen am Fuchsbühel zusammenhängen“, sagt ein Ermittler. Die Motive der Verdächtigen bleiben ein Amtsgeheimnis, weil „sie in den privaten Bereich spielen“.

Der Gesamtschaden, der entstand, liegt im sechsstelligen Bereich.
Der Gesamtschaden, der entstand, liegt im sechsstelligen Bereich.
- LIEBL Daniel | zeitungsfoto.at