Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 01.06.2019


Tirol

Zuerst Opfer, dann Täter: Vorgetäuschte Straftaten häufen sich

Das Vortäuschen von Straftaten liegt im Trend. Oft geht‘s darum, mit einem erfundenen Überfall einen Geldschwund zu rechtfertigen. Die Polizei in Tirol ermittelte nach drei Überfällen, die nie stattgefunden haben.

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© TT / Thomas Böhm(Symbolfoto)



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Die Fahndung nach drei Räubern blieb ohne Ergebnis. Es fanden sich auch keine Zeugen, die der Kripo Anfang März nach dem Überfall am helllichten Tag im Innsbrucker Zentrum Hinweise liefern konnten. Jetzt ist klar, warum die Ermittlungen der Polizei zunächst ins Stocken gerieten: Das damals schwer betrunkene Opfer hat den Raub im Zuge eines missglückten Drogendeals erfunden.

Kein Einzelfall: Von sieben Überfällen, die zwischen Mitte Februar und Mitte März die Polizei im Großraum Innsbruck beschäftigten, haben drei nie stattgefunden. So log auch der Kärntner Busfahrer, der am 22. Februar einen brutalen Raub anzeigte. Er habe vor dem Olympiastadion auf Eishockey-Schlachtenbummler gewartet, als er im Bus niedergeschlagen und ins Klo gesperrt worden sei. Dann hätten die Täter die Habseligkeiten der Passagiere durchsucht und drei Geldtaschen gestohlen. Nach monatelangen Ermittlungen stellte sich heraus, dass das Opfer der eigentliche Dieb war und die Räuber eine Erfindung.

Der 65-Jährige, der am 7. März einen Überfall am Innsbrucker Hauptbahnhof anzeigte, konnte mittlerweile ebenfalls als Lügner überführt werden. Der Mann hatte angegeben, von drei Tätern zu Boden gestoßen und beraubt worden zu sein. Vor zehn Tagen musste das „Opfer“ zugeben, dass der Überfall fingiert war. Er sei lediglich gestolpert, erfuhren die Ermittler. Ein Motiv für die Raub-Anzeige blieb der 65-Jährige schuldig.

Eine mögliche Antwort auf die Motivfrage kann Innsbrucks Kripo-Chef Christoph Kirchmair liefern: „Oft geht’s darum, mit einem erfundenen Überfall einen Geldschwund zu rechtfertigen.“ Fast schon ein Klassiker für Spieler, die den Monatslohn im Casino verlieren. Oder Nachtschwärmer, die am nächsten Tag mit viel Promille, aber wenig Geld aufwachen. „Es kommt aber auch vor, dass sich Täter als Überfallopfer ausgeben, wenn sie am Tatort Beweisstücke verloren haben.“ Der erfundene Räuber ist dann die Erklärung für den z. B. bei einem Einbruch verlorenen Ausweis. „Manchmal wollen sich die Anzeiger einfach nur in den Mittelpunkt stellen“, kennt Kirchmair ein weiteres Motiv.

Wer sich dabei erwischen lässt, landet selbst vor Gericht. Im schlimmsten Fall droht ein halbes Jahr Haft.