Letztes Update am Do, 06.06.2019 12:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


A4-Prozess

Erstickte Flüchtlinge auf A4: Chaos bei Berufungsverhandlung in Szeged

Die Angeklagten, bei denen es sich um den Kopf einer Schlepperbande handeln soll, gaben an, den Dolmetscher nicht zu verstehen. Die Verhandlung musste unterbrochen werden.

Einsatzkräfte der Polizei und der Spurensicherung neben dem abgestellten Lkw, in dem die toten Flüchtlinge im August 2015 gefunden wurden.

© APA/SchlagerEinsatzkräfte der Polizei und der Spurensicherung neben dem abgestellten Lkw, in dem die toten Flüchtlinge im August 2015 gefunden wurden.



Kecskemet, Parndorf, Szeged – Unter chaotischen Bedingungen hat am Donnerstag im südungarischen Szeged die Berufungsverhandlung im Fall der 71 in einem Kühllaster erstickten Flüchtlinge begonnen, die im Sommer 2015 in einer Pannenbucht der Ostautobahn (A4) bei Parndorf entdeckt wurden. Nach Beschwerden über den Dolmetscher wurde die Verhandlung abgebrochen. Sie wird morgen, Freitag, mit einem neuen Dolmetscher fortgesetzt.

Die Angeklagten hatten wiederholt beklagt, sie würden den Dolmetscher nicht verstehen. Für die Verteidiger waren wiederum dessen Übersetzungen nicht hörbar, wofür sie technische Probleme im Gerichtssaal verantwortlich machten. Schließlich wurde die Verhandlung für 40 Minuten unterbrochen, um die behaupteten Schwierigkeiten zu überprüfen und allenfalls zu beheben. Danach bekam der Dolmetscher ein Mikrofon ausgehändigt, was an der Qualität seiner Übersetzungen offenbar wenig änderte. Nach weiteren Beschwerden zog Richter Erik Mezölaki schließlich die „Reißleine“.

25 Jahre Haft in erster Instanz

Die Angeklagten wurden vor Verhandlungsbeginn in Hand- und Fußfesseln in den Gerichtssaal gebracht. In erster Instanz war das Gericht in Kecskemet mit jeweils 25 Jahren Haft für die vier Hauptangeklagten – ein gebürtiger Afghane und drei Bulgaren – unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten lebenslang geblieben. Vor dem Tafelgericht in Szeged – vergleichbar mit den österreichischen Oberlandesgerichten - forderte der öffentliche Ankläger nun lebenslang ohne vorzeitige Entlassung. Die Verteidiger ersuchten um Freisprüche bzw. Strafminderung und stellten für die Bulgaren den Antritt auf Strafverbüßung in deren Heimat.

Bei den Hauptangeklagten soll es sich um den Kopf einer Schlepperbande, seinen Stellvertreter, den Lkw-Fahrer sowie um den Lenker eines Begleitautos gehandelt haben. Die umgekommenen Flüchtlinge stammten aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. (APA)

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