Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 12.06.2019


Tirol

„StreetGasm 2000“: Illegales Rennen auf Tirols Straßen eingebremst

Ausgerechnet zu Pfingsten rasten rund 100 Luxus-Sportwagen durch Tirol. Die Polizei zog am Dienstag mehrere Teilnehmer vorübergehend aus dem Verkehr.

Nobelhobel-Parade: die Fahrzeuge einiger Teilnehmer der „StreetGasm­2000“ 2015 in Zagreb. Heuer führte die Route durch Tirol.

© imago/PixsellNobelhobel-Parade: die Fahrzeuge einiger Teilnehmer der „StreetGasm­2000“ 2015 in Zagreb. Heuer führte die Route durch Tirol.



Innsbruck – Die „StreetGasm 2000“ – laut den Veranstaltern eine Charity-Ausfahrt, ein Auto-Abenteuer, das heuer von Rotterdam durch Tirol nach Cannes führt. Die Polizei wertete die Tour durch halb Europa eher als „illegales Straßenrennen“. Und zog am Pfingstmontag und Dienstag mehrere Teilnehmer vorübergehend aus dem Verkehr.

„Wir sind von den deutschen Kollegen gewarnt worden“, erzählt Markus Widmann, Chef der Polizei-Verkehrsabteilung. Tatsächlich sind dann mehrere Gruppen mit ihren Luxuslimousinen und Super-Sportwägen – Bentleys, Ferraris, Lamborghinis, Maseratis etc. – über Garmisch, Reutte und den Achenpass nach Tirol „eingerast“. Das Etappenziel war ein Luxushotel im Bezirk Kitzbühel. Das erreichten allerdings nicht alle „Rennfahrer“ ungeschoren. Ein Sportwagen-Lenker ließ es auf der Inntalautobahn krachen (171 km/h), mehrere Kollegen missachteten Überholverbote und Tempolimits. Drei „Abenteurer“ mussten am Montag ihre verbotenen Laserblocker ausbauen und 2000 Euro Sicherheitsleistung hinterlegen. Einen weiteren Laserblocker entdeckten die Beamten am Dienstag am Pass Thurn. Die Kontrollen und Strafen nahmen die ertappten Teilnehmer aber gelassen: „Alle waren höflich und freundlich“, schmunzelt Widmann.

Die „StreetGasm 2000“-Fahrer waren allerdings nicht die einzigen Verkehrsteilnehmer, die am Pfingstwochenende Bekanntschaft mit der Tiroler Polizei machten. Die Beamten erwischten 6975 Schnellfahrer, stoppten 52 alkoholisierte Lenker und kassierten 27 Führerscheine. Den Vogel schoss ein Einheimischer ohne Führerschein ab, der in Wattens mit 2,8 Promille einen Unfall verursachte und dann auch noch flüchtete. Insgesamt registrierte die Tiroler Polizei seit Freitag 55 Unfälle mit Personenschaden, bei denen 62 Verkehrsteilnehmer verletzt wurden. Ein deutscher Motorradfahrer starb im Außerfern.

Wie üblich, war Pfingsten auch heuer Stauzeit, vor allem am Freitagnachmittag und am Samstag mit Autoschlangen von der Europabrücke bis Volders bzw. Zirl. Für Entlastung sorgten die Blockabfertigungen bei Kufstein, die am Freitag 1284 und am Samstag 2075 Lkw betrafen.

Österreichweit verloren zu Pfingsten acht Verkehrsteilnehmer ihr Leben. Sechs waren Motorradfahrer. Insgesamt wurden 586 Personen bei 470 Unfällen verletzt. Zum Vergleich: 2018 ereigneten sich „nur“ 336 Unfälle mit 419 Verletzten und sechs Toten. Auch die Anzahl der Anzeigen stieg heuer um 16 Prozent. Im gesamten Bundesgebiet wurden fast 61.000 Schnellfahrer ertappt. (tom)