Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 13.06.2019


Exklusiv

Streit auf Höttinger Alm eskalierte: Mitarbeiterin mit Messer verletzt

Ein Streit zwischen einem Koch und einer Mitarbeiterin eskalierte in 1500 Metern Seehöhe. Der Beschuldigte ist verschwunden.

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Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Auf der Alm gibt’s doch „a Sünd“. Eine Sünde, die kürzlich sogar zu einem Polizeieinsatz in fast 1500 Metern Seehöhe führte. Der Grund: Ein offenbar genervter Koch hat eine Mitarbeiterin mit einem Messer attackiert. Die Frau musste in der Klinik operiert werden. Der mutmaßliche Täter ist seither spurlos verschwunden. Somit hat der Wirt mitten in der Hochsaison seine halbe Belegschaft verloren.

Schauplatz der Auseinandersetzung war am vergangenen Freitagnachmittag die Höttinger Alm rund 900 Höhenmeter über Innsbruck. Die aus Ostdeutschland stammende Küchenhilfe habe den Koch aus Westdeutschland provoziert, schildert Almwirt Bernhard Schlechter seine Sicht des Streits. Offenbar nicht zum ersten Mal – immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden Landsleuten. Doch am Freitag blieb es nicht nur bei Wortgefechten. „Mein Koch war so genervt, dass er sich selbst das Messer an den Hals setzte“, erzählt Schlechter. Eine Geste, die die Küchenhilfe ernst nahm: „Als sie zu ihm hinging, hat er sie mit dem Messer an der Hand verletzt.“ Genaugenommen waren es zwei Finger, die durch die Attacke in Mitleidenschaft gezogen wurden. „Als ich hinzukam, hat der Koch nichts zum Vorfall gesagt“, so Schlechter weiter: „Ich hab’ die Mitarbeiterin dann mit dem Auto in die Klinik gebracht. Dort musste sie operiert werden.“

Auch die Polizei erfuhr bald von der Auseinandersetzung. Beamte der Polizeiinspektion Hötting machten sich auf den Weg zur Alm. Aber auch gegenüber den Polizisten schwieg der Beschuldigte: „Er bemerkte nur, sie sollen ihn einsperren, Aussage mache er dazu keine.“

Dennoch blieb dem Verdächtigen ein Gefängnisaufenthalt erspart, der Mann wurde bald wieder auf freien Fuß gesetzt. Wo er sich jetzt aufhält, ist unklar: „Auf die Alm zurückgekehrt ist er jedenfalls nicht, obwohl er noch seine Sachen hier hat“, bedauert sein Chef: „Er ist ein super Koch und war bereits das zweite Jahr bei mir.“

Auch das Opfer wird nicht mehr zurückkehren: Die Frau ist noch im Krankenstand, außerdem läuft ihre Probezeit demnächst ab. Laut Schlechter hat sich der Streit am Freitag bereits angekündigt: „Wir haben die Küchenhilfe bereits am Morgen in den Service getan, um weitere Spannungen zu vermeiden.“ (tom)