Letztes Update am Fr, 14.06.2019 17:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Italien

Millionenbetrug mit Bierhandel aufgedeckt: Osttiroler verwickelt

Ein Osttiroler soll sich als Scheinexporteur betätigt und große Mengen an Alkoholika im Gesamtwert von 3,6 Millionen Euro an italienische Firmen geliefert haben. Die Hintermänner werden in Neapel bzw. Sizilien vermutet.

(Symbolbild)

© pixabay(Symbolbild)



Bozen, Innsbruck – In einer länderübergreifenden Aktion ist vor wenigen Tagen ein internationaler Umsatzsteuerbetrug mit einem Schaden von über drei Millionen Euro aufgedeckt worden. Darin verwickelt dürfte auch ein Osttiroler Getränkehändler sein, der in Tirol kurzfristig festgenommen, mittlerweile aber wieder auf freien Fuß gesetzt wurde.

„Die Voraussetzungen für eine allfällige Übergabe nach Italien sind noch zu prüfen“, meinte der Sprecher der Innsbrucker Staatsanwaltschaft, Hansjörg May, gegenüber der APA zur Freilassung des Osttirolers. Das Ermittlungsverfahren in dem Fall werde von der Staatsanwaltschaft in Bozen in Südtirol geführt. In Österreich sei jedenfalls kein eigenes Strafverfahren anhängig. Von der Polizei in Bozen hieß es, dass noch gegen acht weitere Personen ermittelt werde.

Der 50-Jährige soll sich seit April 2015 als Scheinexporteur betätigt und große Mengen an Bier und anderen Alkoholika im Gesamtwert von 3,6 Millionen Euro an italienische Firmen geliefert haben, die als steuerbefreit ausgewiesen waren. Die Empfänger - es handelte sich um rumänische Staatsbürger – verkauften die Getränke weiter und kassierten dafür Umsatzsteuer, ohne in weiterer Folge die an sich fälligen Abgaben an die italienischen Behörden abzuführen, wie Christian Ackerler, Chef der Steuerfahndung im Finanzministerium, der APA berichtete. Dem italienischen Staat entstand dadurch ein beträchtlicher Schaden, in Österreich ist dagegen zum aktuellen Ermittlungsstand kein Schaden nachweisbar.

25 Unternehmen an den Machenschaften beteiligt

Ab Juni 2018 machte auch ein deutscher Geschäftsmann federführend bei den Malversationen mit. Insgesamt waren 25 Unternehmen an den Machenschaften beteiligt. Ausgehend von Bozen waren die Finanzbehörden seit Oktober 2016 den Steuerbetrügern auf der Spur, nach umfangreichen Observationen und Telefonüberwachungen wurden am Mittwoch in Italien, Rumänien, Deutschland und Österreich zeitgleich Hausdurchsuchungen durchgeführt und dabei insgesamt sieben Personen – neben dem Osttiroler drei Italiener und drei Rumänen – festgenommen.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

In Bezug auf den tatverdächtigen Osttiroler wickelte die österreichische Steuerfahndung gemeinsam mit der Finanzpolizei und der Polizei sechs Hausdurchsuchungen ab. Die Drahtzieher der groß angelegten Steuertricksereien werden in Neapel bzw. Sizilien vermutet. Die Bande soll ein System fiktiver Gesellschaften aufgebaut haben, dank der sie in Italien keine Mehrwert- und Alkoholsteuer zahlte. Damit konnte der Alkohol in Italien zu wesentlich günstigeren Preisen als von der Konkurrenz angeboten verkauft werden. (TT.com)