Letztes Update am Sa, 15.06.2019 15:34

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Italien

Amanda Knox in Italien: „Meine Unschuld hat mich nicht gerettet“

Erstmals seit ihrer Freilassung hat Amanda Knox wieder italienischen Boden betreten. Sie war zu einem Kongress über Justizirrtümer in Modena geladen.

Amanda Knox zeigte sich in Modena immer noch tief getroffen und beteuerte erneut ihre Unschuld.

© AFPAmanda Knox zeigte sich in Modena immer noch tief getroffen und beteuerte erneut ihre Unschuld.



Modena – Bei einem emotionalen Auftritt in Italien hat die US-Amerikanerin Amanda Knox (31) ihre Version des Mordes an einer britischen Austauschstudentin vor zwölf Jahren verteidigt. „Ich war unschuldig. Aber der Rest der Welt hatte entschieden, dass ich schuldig war“, sagte die 31-Jährige am Samstag sichtlich bewegt in Modena. „Meine Unschuld hat mich nicht gerettet.“

Die zu einem Kongress erstmals nach Italien zurückgekehrte Knox, die wegen Mordes an ihrer Mitbewohnerin in Italien vier Jahre im Gefängnis saß und schließlich freigesprochen wurde, hat nun Angst vor neuen Anschuldigungen, wie sie sagt. „In Wahrheit habe ich Angst, ich habe Angst, erneut bedrängt, bepöbelt, in eine Falle gelockt und mit neuen Vorwürfen konfrontiert zu werden“, sagte die 31-Jährige.

Knox wisse, „umstrittene Person“ zu sein

Sie sei nach Italien zurückgekehrt, weil sie es einfach „musste“, sagte Knox bei dem Kongress zu Justizirrtümern. An manchen Stellen während ihrer langen Ansprache blieb ihr die Stimme weg. „Weil es eine Zeit gab, in der ich mich in diesem schönen Land ganz bei mir fühlte und ich hoffe, dass ich dieses Gefühl eines Tages wieder verspüren kann.“ Es war das erste Mal seit ihrer Freilassung, dass Knox wieder nach Italien reiste.

Trotz ihres Freispruchs wisse sie, dass sie vor allem in Italien „eine umstrittene Person“ sei. Einige Menschen hätten gesagt, dass sie mit ihrer Anwesenheit erneut die Familie ihrer ermordeten Mitbewohnerin Meredith Kercher traumatisiere. „Sie täuschen sich“, sagte Knox.

Wegen Mordes an der jungen Britin Kercher im Jahr 2007 waren Knox und ihr früherer italienischer Freund Raffaele Sollecito 2009 in erster Instanz zu 26 beziehungsweise 25 Jahren Haft verurteilt worden. Nach einem jahrelangen juristischen Tauziehen sprach 2015 das oberste italienische Gericht beide wegen schlampiger Ermittlungen in dem Fall endgültig frei. Vier Jahre der Strafe hatte Knox in Italien abgesessen.

Für den Mord sitzt der Ivorer Rudy Guede, dessen DNA sich auf dem Körper des Opfers fand, in Italien eine 16-jährige Haftstrafe wegen Beteiligung an der Tat ab. Die 21-jährige Kercher war am 2. November 2007 halbnackt und mit durchgeschnittener Kehle in der Wohnung in Perugia entdeckt worden, die sie sich mit Knox teilte. Ihre Leiche wies 47 Messerstiche auf, die Studentin war vergewaltigt worden.

Knox, die in Seattle lebt und dort als Journalistin arbeitet, hat über ihre Erfahrungen ein Buch geschrieben. „Waiting To Be Heard: A Memoir“ wurde von Netflix als Dokumentarfilm adaptiert. (APA/AFP)