Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 20.06.2019


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Einbrecher haben jetzt Hochsaison: Tipps für die Urlaubszeit

Wer vorsorgt, kann sich viel Ärger sparen: Polizei und Sicherheitsexperten raten dazu, das Eigenheim fit für die Urlaubszeit zu machen.

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Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Bargeld und Münzen mit einem Wert im niedrigen vierstelligen Eurobereich – das ist die Beute, die Unbekannten am vergangenen Sonntag zwischen 9 und 14 Uhr bei einem Einbruch in eine Eigentumswohnung in Oberndorf in die Hände gefallen ist. Gerade in der Sommerzeit, wo es die Leute in die Freibäder oder auf die Almen zieht, an den verlängerten Wochenenden in den Kurzurlaub oder zur Haupturlaubszeit ins Ausland, ergeben sich für Einbrecher günstige Gelegenheiten zuzuschlagen. Denn dann sind Wohnungen oder Häuser mehrere Stunden bis mehrere Wochen verlassen und damit willkommene Ziele.

„Die Täter sind vor allem dort erfolgreich, wo sie Schwachstellen ausfindig machen. Daher gilt es, diese zu vermeiden“, sagt Hans-Peter Seewald, Leiter der Kriminalprävention im Landeskriminalamt der Tiroler Polizei. Das beginne zunächst schon einmal damit, das Haus oder die Wohnung mit hochwertigen, einbruchshemmenden Türen, Schlössern und Fenstern zu sichern. „Ein Profi kann ein normales Fenster mit einem einfachen Werkzeug wie einem Schraubenzieher binnen Sekunden lautlos öffnen“, weiß Seewald. Angesichts des Schadens, der bei einem Einbruch oft entsteht, lohne es sich, hier etwas Geld in die Hand zu nehmen. Das gelte auch dann, wenn es um die Anschaffung einer Alarmanlage oder eines Videoüberwachungssystems gehe. Hier empfiehlt der Experte eine Alarmanlage mit akustischem Melder, weil eine solche Einbrecher am effektivsten in die Flucht schlägt und außerdem – wenn von außen erkennbar – auch präventiv eine große Wirkung hat. Einen Nachteil sieht Seewald lediglich darin, dass man die Anlage auch immer neu aktivieren muss, wenn man das Haus oder die Wohnung verlässt.

Eine weiterer Tipp des Experten: Während der Abwesenheit sollten Fenster, Haus-, Wohnungs- und Terrassentüren immer verschlossen sein. Das gelte auch, wenn man lediglich kurze Zeit außer Haus ist. „Es gibt da Beispiele, wo das Herrchen mit seinem Hund nur wenige Minuten Gassi gegangen ist. In dieser Zeit ist schon bei ihm eingebrochen worden“, berichtet Seewald. Oft würden die Täter ihr Ziel nämlich im Vorfeld genau beobachten und günstige Gelegenheiten ausspähen. Eine aktive und aufmerksame Nachbarschaft könne daher auch helfen, Einbrüche zu verhindern. „Wer verdächtige Beobachtungen macht, soll sich nicht scheuen, die Polizei zu rufen“, sagt Seewald. Auch Fotos von verdächtigen Personen oder Fahrzeugen können der Exekutive helfen, Tätern auf die Spur zu kommen.

Nachbarschaftliche Hilfe ist außerdem dann gefragt, wenn es darum geht, die längere Abwesenheit zu verschleiern. „Sich stapelnde Zeitungen vor der Türe oder ein überquellender Briefkasten sind für Einbrecher Hinweise, dass das Haus oder die Wohnung gerade nicht bewohnt ist“, sagt Seewald. Nachbarn oder Bekannte können dabei helfen, diese verräterischen Zeichen von längerer Abwesenheit zu beseitigen.

Aktiv-präventive Schadensbegrenzung können Bewohner betreiben, indem sie Bargeld und Schmuck entweder gar nicht erst zu Hause lagern, oder aber zumindest in einem Tresor aufbewahren. Wer meint, Wertgegenstände seien in der Sockenschublade sicher, der irrt, betont Seewald. Oft handelt es sich bei Einbrechern um äußerst versierte Profis, die sämtliche beliebte Verstecke kennen und diese innerhalb kürzester Zeit durchstöbert haben.

Diese Profis sind es auch, die falsche Kameras oder Sirenen-Dummys auf den ersten Blick erkennen, warnt Christoph Zeuner, Sicherheitsexperte des Alarmanlagen-Anbieters Telenot. „Ein falscher Bewegungsmelder, eine Kamera-Attrappe, ein Sirenen-Dummy oder ein Pickerl ,Achtung Alarmanlage‘ sind kein sicherer Schutz vor Langfingern. Profi-Einbrecher erkennen die Attrappen, die Schein-Sicherheit ist schnell durchschaut. Echte Sicherheit gehört in Profi-Hände.“ Sehr wohl abschreckend wirke jedoch das Gütesiegel „Objekt gesichert“, das Hausbesitzer dann anbringen können, wenn eine hochwertige Anlage von Fachleuten installiert wurde.