Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 29.06.2019


Prostitution

Nachbarn verrieten geheimes Bordell in Innsbruck

Mit Anzeigen und unübersehbaren Hinweisen an der Türglocke ließen Anrainer ein Geheimbordell auffliegen.

Symbolfoto.

© RehfeldSymbolfoto.



Innsbruck – GM 5: So lautet der Code für ein Innsbrucker Geheimbordell, den die Freier beim Erfahrungsaustausch im Internet benützten. Eine Vorsichtsmaßnahme, um das offenbar beliebte Etablissement vor dem Zugriff der Polizei zu schützen. Doch die größtenteils zufriedenen Kunden des Mikrobordells in einer Wiltener Wohnung haben die Rechnung ohne die erbosten Anrainer gemacht. Die Nachbarn informierten nicht nur die Polizei, sondern sorgten auch mit eindeutigen Hinweisen am Hauseingang dafür, dass das Etablissement bald nicht mehr geheim war. Etwa mit der Aufschrift „Bordell“ als Orientierungshilfe für ortsunkundige Freier auf der Türglocke der Sprechanlage. So wurde amtsbekannt, dass sich hinter dem Code GM 5 die Bordell-Adresse Michael-Gaismair-Straße 5 verbarg. Doch jetzt ist der illegale Betrieb endgültig Geschichte.

Mitarbeiter des Polizei-Strafamtes haben sich kürzlich nach bewährter Methode als Kunden ausgegeben und Kontakt zu einer Prostituierten im Haus Michael-Gaismair-Straße 5 aufgenommen. „Wir vereinbarten einen Termin und statteten der Adresse einen Besuch ab“, schildert Strafamtsleiter Florian Greil. Als die Dame aus Kolumbien gegenüber dem vermeintlichen Freier ihren Preis (150 Euro pro Stunde) nannte, durfte sie sich den Dienstausweis aus der Nähe ansehen. Eine Anzeige und eine Geldstrafe von insgesamt 1100 Euro waren die Folgen. In der Bordell-Wohnung trafen die Beamten auch auf die Hauptmieterin aus Spanien, eine bereits amtsbekannte Prostituierte. Sie musste ebenfall zahlen. Und zwar 600 Euro für das „Überlassen von Räumlichkeiten zur Prostitutionsausübung“. Außerdem hatte die Spanierin noch eine Geldstrafe (ebenfalls 600 Euro) vom Dezember offen. Denn schon damals sind das Mikrobordell und somit auch die Mieterin ins Visier der Polizei geraten. Von einer Schließung der Wohnung sah das Strafamt damals ab.

Jetzt nicht mehr – da die Adresse erneut als Bordell genutzt wurde, brachten die Beamten diesmal das Polizeisiegel am Eingang an. Das Mietverhältnis ist inzwischen aufgelöst, die Prostituierten sind ausgezogen. (tom)