Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 30.06.2019


Exklusiv

Prostituierte in Innsbruck getötet: Milieugrößen als Mordzeugen

Um einen Mord zu klären, gehen die Ermittler ungewöhnliche Wege. Und suchen nach Antworten bei früheren Gegnern.

Eine Wohnung am Fürstenweg war Schauplatz des Prostituiertenmordes.

© zeitungsfoto.atEine Wohnung am Fürstenweg war Schauplatz des Prostituiertenmordes.



Innsbruck – Einst waren sie Gegner: die Ermittler des Landeskriminalamtes auf der einen und die ehemaligen Innsbrucker Rotlicht-Größen auf der anderen Seite des Gesetzes. Doch die Zeiten haben sich geändert: Auf der Suche nach Antworten in einem noch immer rätselhaften Mordfall wandten sich die Kriminalisten jetzt an zwei Milieu-Veteranen im „Ruhestand“. Die Tiroler gelten diesmal allerdings nicht als Verdächtige. Sondern als mögliche Zeugen, von denen sich die Kriminalisten Hinweise zum Überführen eines Beschuldigten erhoffen.

Konkret geht es dabei um den Tod einer ungarischen Prostituierten in ihrer Innsbrucker Badewanne. Die damals 39-jährige Frau wurde im Jänner 2018 als vermisst gemeldet. Der Auftakt für einen Polizeieinsatz mit tragischem Ausgang: Als die Beamten die Wohnung am Fürstenweg öffneten, fanden sie in der Badewanne die Leiche der Vermissten. Die 39-Jährige dürfte bereits seit Tagen tot gewesen sein. Wie die Obduktion ergab, ist die Ungarin ertrunken. Aber nicht bei einem Unfall, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit durch Fremdverschulden, stellte ein Gerichtsmediziner fest. Einblutungen am Rücken und am Hals lassen vermuten, dass der Täter die Frau unter Wasser gedrückt hat.

Für die Ermittler nicht nur wegen der späten Entdeckung des Mordes ein schwieriger Fall. Die zahlreichen und zunächst größtenteils unbekannten Freier machten die Aufgabe nicht leichter.

Doch schließlich war es kein Kunde der Prostituierten, der in den Fokus der Beamten geriet. Sondern ein Freund des Opfers. Der Mann wurde mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Allerdings ist die Beweislage so dürftig, dass er nicht in U-Haft genommen werden konnte. Der Verdächtige bestreitet den Mord. Er sei zum Tatzeitpunkt auch nicht in Innsbruck gewesen. Diese Aussage wollen die Ermittler widerlegen. Daher suchen sie Zeugen, die den Freund der Ungarin Anfang Jänner 2018 in Innsbruck gesehen haben. So kam es, dass sich die Beamten auch an die Milieu-Veteranen wandten. Für den Verdächtigen gilt die Unschuldsvermutung. (tom)