Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 29.06.2019


Landesgericht

Prozess um Drogenschmuggler in Tirol: Großdealer wurde zum Kronzeugen

Knapp 200 Kilo Drogen eingeführt, aber Schmuggelorganisation offengelegt: vier Jahre Haft.

Der auf Drogendelikte spezialisierte Verteidiger Markus Abwerzger hält eine letzte Besprechung mit dem Innsbrucker Großdealer.

© Michael KristenDer auf Drogendelikte spezialisierte Verteidiger Markus Abwerzger hält eine letzte Besprechung mit dem Innsbrucker Großdealer.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Ein hellwacher Polizeihund meldete im November eine Drogenorganisation ungeahnten Ausmaßes in Innsbruck. Angeschlagen hatte der Polizeihund beim Auto eines 35-Jährigen, der nach einem Prozess wegen Drogenhandels im Jahr 2013 nie mehr aktenkundig geworden war. Still und leise hatte der Mann inzwischen in einer zweigleisig agierenden Drogenorganisation ein gewichtiges Wort mitzureden. So verantwortete er den Import von 170 Kilogramm Cannabisharz. Ein Teil kam dabei aus Nepal und Indien, der andere aus Marokko. Dem nicht genug, umfasste der Handel auch noch Tausende XTC-Pillen und LSD-Trips sowie Kokain. Der gebürtige Vorarlberger hatte über all dies über die Jahre genauestens Buch geführt. Ein sichergestellter USB-Stick war dann laut Staatsanwalt Dieter Albert ein „gefundenes Fressen“ für die Ermittler. Gestern am Landesgericht beschrieb der Ankläger aber auch, wie der Großdealer – quasi vom Saulus zum Paulus – zum Kronzeugen der Anklage geworden war. „Dabei hat der Mann eine Drogenorganisation zerstört, 18 Lieferanten und Großabnehmer verwamst!“, erklärte Staatsanwalt Albert. Alle Angaben hätten zudem gestimmt. Wobei nur noch wenige denunzierte Personen auf der Flucht seien. Verteidiger Markus Abwerzger betonte zudem, dass der konfiszierte USB-Stick zwar über etliche Daten verfügt habe, speziell Namenskürzel aber einzig vom Angeklagten hätten entziffert werden können. Aufgrund der Gefahr für den Kronzeugen ließ die Staatsanwaltschaft den 35-Jährigen zudem in eine Haftanstalt außerhalb Tirols verlegen: „Sonst wäre die Haft vielleicht ungesund geworden“, meinte Ankläger Albert. Für Richter Bruno Angerer stellte sich die Frage, wie man bei einem Strafrahmen von 15 Jahren Haft so einen Kronzeugen würdigt. Zuerst lobte der Richter jedoch die Akribie des Stadtpolizeikommandos: „Selten so gute Arbeit gesehen!“ Die Kooperation mit der Polizei sparte dem Angeklagten indes Haftjahre: Vier Jahre Gefängnis nahm Kronzeuge Paulus sofort an.

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