Letztes Update am Di, 09.07.2019 06:56

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bezirk Kufstein

Bombendrohung und Schüsse in Wildschönau: Verdächtiger schweigt

Nach der Bombendrohung und einer erfundenen Geiselnahme verweigert der verletzte Beschuldigte die Aussage. Damit bleibt das Motiv vorerst unklar. Der Unterländer befindet sich noch in der Klinik.

Großaufgebot der Polizei in der Wildschönau: Der 55-jährige Verdächtige eröffnete das Feuer auf die Polizei.

© ZOOM.TIROLGroßaufgebot der Polizei in der Wildschönau: Der 55-jährige Verdächtige eröffnete das Feuer auf die Polizei.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Der 55-jährige Unterländer will nicht reden. Weder über die (leere) Bombendrohung in einer Innsbrucker McDonald’s-Filiale noch über die fingierte Geiselnahme. Und schon gar nicht über den Schusswechsel mit drei Polizisten, bei dem der gebürtige Kärntner am Mittwochabend in Niederau von zwei Kugeln in den Bauch bzw. in den Oberschenkel getroffen wurde. „Wir wollten den Verdächtigen am Sonntag in der Klinik einvernehmen, aber er hat geschwiegen“, sagt Walter Pupp, Leiter des Landeskriminalamtes. Damit bleibt das Motiv des Unterländers vorerst unklar.

Das Verweigern der Aussage ist zwar das gute Recht des Beschuldigten, bewahrt ihn aber nicht vor Zwangsmaßnahmen. So hat das Landesgericht gegen den 55-Jährigen am Montag die Untersuchungshaft verhängt: „Der Mann ist zwar noch in der Klinik, steht dort aber unter Bewachung“, bestätigt Hansjörg Mayr, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Gegen den Unterländer sei auch ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.

Geprüft wird aber auch das Verhalten der Polizisten, die den Beschuldigten beim Schusswechsel schwer, aber nicht lebensbedrohlich verletzt haben. Laut Mair ein Standardverfahren, das immer dann zur Anwendung kommt, wenn jemand durch Gewaltanwendung bei einem Polizeieinsatz verletzt wird. „Wir prüfen auch, wenn eine Person beim Anlegen der Handschellen eine Rötung erlitten hat.“

Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand haben die Polizisten am Mittwoch gegen 20.30 Uhr in Niederau in einer Notwehrsituation das Feuer eröffnet. Als die Beamten den Verdächtigen ansprachen, zog er eine Pistole aus der Jacke. Dann soll er die Waffe auf die Polizisten gerichtet und abgedrückt haben. Die Beamten aus Wörgl und Kufstein erwiderten das Feuer. Und trafen zweimal.

Dass die echt wirkende Waffe des Unterländers eine vergleichsweise harmlose CO²-Pistole war, stellte sich erst später heraus. Da war der verletzte 55-Jährige bereits auf dem Weg in den Operationssaal. Nach Ansicht Pupps ist auch die Vorgeschichte zu berücksichtigen: Damit meint der LKA-Chef nicht nur das Waffenverbot, das gegen den Unterländer nach wiederholten Gewaltdelikten verhängt wurde. Sondern vor allem die Situation am Mittwochabend, in der es zum Schusswechsel kam. Eine Stunde zuvor hatte ein zunächst unbekannter Anrufer der Polizei mit einer selbst konstruierten Bombe im Innsbrucker Altstadt-McDonald’s gedroht. Außerdem gab der Mann an, zwei Geiseln genommen und einer in den Kopf geschossen zu haben. Die Handy-Ortung und ein Zeugenhinweis führten rasch zum Verdächtigen, der vor einer Tankstelle in Niederau auf die Polizei zu warten schien. Zu dem Zeitpunkt war noch nicht absehbar, dass sowohl die Bombe als auch die Geiselnahme Hirngespinste eines offenkundig Betrunkenen waren. „Die Beamten haben im Sinne einer Notwehrsituation völlig korrekt gehandelt“, so Pupps Einschätzung am Tag nach der Schießerei.

Von Polizisten verursachte Schussverletzungen sind äußerst selten. Die meisten Beamten müssen ihre Pistole im gesamten Dienstleben nie einsetzen. Zuletzt erwischte es im Jänner 2016 einen Einbrecher in Kirchdorf, der mit seinem Komplizen auf ein Hausdach flüchtete. Als der Steirer dort von einem Beamten gestellt wurde, eröffnete er das Feuer. Der Polizist schoss zurück und traf. Für den Beamten blieb das Feuergefecht ohne Konsequenzen. Der Einbrecher wurde wegen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Fast zwei Jahrzehnte vorher, im September 1998, überfielen drei mit Pistolen und Handgranaten bewaffnete Profigangster aus Italien die Hypo-Zentrale in Innsbruck. Ein wildes Feuergefecht war die Folge. Ein Bankräuber fand dabei den Tod, ein Tourist wurde verletzt.

Bereits 1993 wurde der verurteilte Mörder Karl Otto H. auf der Flucht in Innsbruck von der Polizei erschossen. Kurz zuvor hatte der Mann einen 13-Jährigen getötet und eine Nonne lebensgefährlich verletzt.