Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 10.07.2019


Exklusiv

Kein „dummer Bubenstreich“: Kater in Imst mit Luftgewehr verletzt

Vergangene Woche wurde eine Katze am Imster Sonnberg durch eine Luftgewehrkugel verletzt – leider kein Einzelfall.

Für Simba ist die Luftgewehr-Attacke gerade noch gut ausgegangen.

© LugginFür Simba ist die Luftgewehr-Attacke gerade noch gut ausgegangen.



Von Thomas Parth

Imst – „Zunächst haben wir gar nicht geahnt, dass es sich um einen Einschuss handelt“, berichte Thomas Luggin und Elisabeth Gadner aus Imst: „Unser Kater Simba hat nur gehumpelt. Wir dachten, dass es von einem Biss kommt; offensichtlich hat Simba versucht, sich instinktiv selbst die Kugel zu entfernen.“ Das angeschossene Tier wurde in die Tierklinik in Arzl im Pitztal gebracht, wo es von Rupert Wassermann und seinem Team untersucht und behandelt wurde. „Wir haben zunächst Röntgenaufnahmen gemacht und dann das Tier operiert. Es handelte sich bei dem Projektil um eine Luftgewehrkugel. In der Regel bleibt so eine Bleikugel in der Muskulatur stecken und kommt zum Glück nicht weiter“, weiß der Tierarzt. „Leider haben wir zwischen zehn und 15 derartige Fälle pro Jahr zu verzeichnen“, so Wassermann.

Der These, es könnte sich um einen „dummen Bubenstreich“ gehandelt haben, der noch als „verzeihbar“ erscheinen mag, stehen gesetzliche Fakten entgegen. Stadtpolizist Christian Zangerle informiert im TT-Telefonat: „Wenn es sich um Tierquälerei handelt, gilt das automatisch als ein anzeigepflichtiger Tatbestand, welcher der Polizei gemeldet werden muss.“ Im vorliegenden Fall hat Tierarzt Wassermann das Bleigeschoss aus der Katze entfernt und die Tierbesitzer damit zur Polizei geschickt. „Wenn die Tierhalter nicht wollen, übernehmen wir die Anzeige“, so Wassermann. Bezirkspolizeikommandant, Hubert Juen, liegt die Anzeige vor, doch bislang sind keine konkreten Hinweise eingegangen: „Wenn es sich um Tierquälerei handelt, ist dies keine Sachbeschädigung, sondern ein mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe geahndetes Delikt.“ Rohe Misshandlung, das vorsätzliche bzw. fahrlässige Zufügen unnötiger Qualen sowie mutwillige Tötung spricht das Strafgesetzbuch unter dem Tierquälerei-Paragrafen §222 an. In der Polizeistatistik scheinen 2018 insgesamt sechs angezeigte Fälle von möglicher Tierquälerei auf, wie Juen bestätigt. Was die Kosten für OP, Röntgen und Medikamente anbelangt, sprechen Online-Foren von bis zu 1000 Euro, weiß Gadner, die sich um die Genesung von Simba kümmert, zu berichten. „Uns ist der Tierarzt dankenderweise sehr entgegengekommen und wir haben einen niedrigen dreistelligen Betrag bezahlt“, so die Katzenliebhaberin. Die Tat wurde von den Tierbesitzern nicht aufgrund der entstandenen Kosten angezeigt, sondern deshalb, weil „Tierquälerei kein Kavaliersdelikt ist“. Und „damit so etwas bei uns nicht mehr vorkommt“.

Der Tierarzt konnte die Kugel operativ entfernen.
Der Tierarzt konnte die Kugel operativ entfernen.
- Wassermann



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