Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 10.07.2019


Gerichtssplitter

Prozess: 80-Jährige in Wörgl im eigenen Haus brutal überfallen

Die Frau gab vor Gericht an “wie ein Stück Vieh“ herumgezerrt worden zu sein. Ein mutmaßlicher Mittäter soll noch per Videokonferenz befragt werden. Auch weitere Fälle beschäftigten das Landesgericht am Dienstag.

Die Täter rissen den Möbeltresor aus der Verankerung. Darin soll sich Schmuck im Wert von 90.000 Euro befunden haben.

© iStockphotoDie Täter rissen den Möbeltresor aus der Verankerung. Darin soll sich Schmuck im Wert von 90.000 Euro befunden haben.



Ein DNA-Treffer vergangenen Jahres in Deutschland brachte die Ermittler auf die Spur jenes 38-jährigen Kroaten, der sich gestern am Innsbrucker Landesgericht verantworten musste. Der Mann gab zu, unter anderem an einem Wohnungseinbruch im Juli 2013 in Wörgl beteiligt gewesen zu sein. Damals waren Unbekannte in der Nacht durch das Fenster in ein Haus eingebrochen und hatten einen Möbeltresor erbeutet. Der 80-jährigen Bewohnerin des Hauses wurde ein Federbett ins Gesicht gedrückt, bevor sie ins WC geschleift wurde. „Wie ein Stück Vieh" sei sie durch die Wohnung gezerrt worden, gab die Dame damals gegenüber der Polizei an. Der 38-Jährige bestritt gestern, an der Handgreiflichkeit gegenüber der Frau beteiligt gewesen zu sein, das hätte sein Komplize zu verantworten. Dieser sowie der Lenker des Fluchtautos waren gestern nicht anwesend. Mitangeklagt war dafür ein 67-jähriger Serbe, der als ehemaliger Hausmeister der Dame vom Tresor gewusst haben soll. Er habe den Tipp gegeben und dafür 10.000 Euro Beutebeteiligung verlangt, sagte der 38-Jährige. Der 67-Jährige bestritt das gestern und gab an, möglicherweise in alkoholisiertem Zustand von dem Tresor gesprochen zu haben. In dem Tresor befand sich laut Anklage Schmuck im Wert von 90.000 Euro. Der Prozess wurde schließlich vertagt, das Gericht will einen der mutmaßlichen Mittäter, der in Kroatien im Gefängnis sitzt, per Videokonferenz befragen.

Wegen versuchter absichtlicher schwerer Körperverletzung stand gestern auch ein 39-jähriger Ungar vor Gericht. Der Koch hatte im März 2018 auf einer Hütte im Oberland eine Küchenhilfe mit einem 20 Zentimeter langen Fleischermesser bedroht. Zuvor hatte dieser ihn den ganzen Tag über mehrfach provoziert und beleidigt, wie der Täter angab. Das Gericht kam zum Schluss, dass das Opfer die Vorgänge damals übertrieben dargestellt hatte und weder von einer versuchten absichtlichen schweren Körperverletzung, geschweige denn von einem Mordversuch auszugehen sei. Der 39-Jährige wurde wegen Nötigung nicht rechtskräftig zu 880 Euro Geldstrafe — die Hälfte bedingt — verurteilt.

Vor Gericht trafen sich gestern zwei Männer wieder, die Ende Mai im Bezirk Innsbruck-Land aneinandergeraten waren. Ein 56-jähriger Landwirt soll seine Kälber mit einem Stock roh behandelt haben, was ein 62-Jähriger beobachtete. Es entwickelte sich ein Streit mit wüsten Beschimpfungen. Da der Tierarzt keine Verletzungen am Vieh feststellen konnte, wurde der Landwirt vom Vorwurf der Tierquälerei freigesprochen. Einen Freispruch gab es auch für den 62-Jährigen, der wegen gefährlicher Drohung angeklagt worden war. (np, cn)