Letztes Update am Do, 11.07.2019 13:22

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Steiermark

Steirischer Arzt soll eigene Kinder gequält haben: Vier Monate bedingt

Im Prozess um die mutmaßliche jahrelange Misshandlung seiner Kinder wurde der Arzt Eduard Lopatka heute verurteilt. Im ersten Rechtsgang war der Mediziner freigesprochen worden.

Sohn und Tochter des Arztes konnten den Freispruch in erster Instanz nicht fassen. In der Neuauflage wird heute mit einem Urteil gerechnet.

© APA/HERBERT NEUBAUERSohn und Tochter des Arztes konnten den Freispruch in erster Instanz nicht fassen. In der Neuauflage wird heute mit einem Urteil gerechnet.



Graz – Der oststeirische Arzt Eduard Lopatka ist am Donnerstag im Grazer Straflandesgericht zu einer bedingten Haftstrafe von vier Monaten und einer Geldstrafe von 1920 Euro verurteilt worden. Der Mediziner soll seine vier heute erwachsenen Kinder jahrelang gequält haben. Bei einem ersten Prozess war er noch überraschend freigesprochen worden. Das Oberlandesgericht hatte den Freispruch aber aufgehoben.

Der erste Prozess, in dem der Richter einen „verspäteten Rosenkrieg“ nach der Scheidung sah, endete bereits nach zwei Tagen mit einem Freispruch des Arztes. Dagegen berief der Staatsanwalt und bekam vom Oberlandesgericht recht. In der Begründung hieß es, die Beweise seien nicht ausreichend gewürdigt worden.

So einen Nichtigkeitsgrund wollte der neue Richter Martin Graf offenbar nicht ermöglichen, also wurden alle Details breit ausgewalzt. Immer wieder kamen neue Anträge seitens der Kinder, aber auch von Exfreundinnen oder anderen Beteiligten. Zuletzt schienen die Kinder nicht einmal mehr den eigenen Anwälten zu trauen, denn sie legten ihre Beweise gleich dem Richter selbst vor – was so in der Strafprozessordnung nicht vorgesehen ist.

Kinder jahrelang gequält?

Der praktische Arzt soll die vier damals minderjährigen, mittlerweile erwachsenen Kinder jahrelang gequält haben. Er drohte laut Anklage immer wieder mit Selbstmord, soll eine Tochter medikamentenabhängig bzw. drogensüchtig gemacht haben und ihnen auch mehrmals verdorbenes Essen vorgesetzt haben. Der Arzt leugnete großteils die Anschuldigungen, auch die Vorwürfe von Ex-Frau und Ex-Freundin bezeichnete er als unwahr. Seine Frau, die ebenfalls Ärztin ist und im Wohnhaus ihre Praxis hatte, wollte von den Vorgängen nie etwas bemerkt haben.

Am siebenten Verhandlungstag der zweiten Prozessrunde sollte nochmals ein Psychiater zu Wort kommen, der die Kinder untersucht hat. Die Beiziehung eines Kinderpsychologen lehnte das Gericht ab, da alle vier Kinder zu Prozessbeginn bereits volljährig waren. (APA)