Letztes Update am Di, 16.07.2019 12:50

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Salzburg

Prozess wegen Tierquälerei: Hund zwei Wochen nicht gefüttert

Eine 35-Jährige wurde verurteilt, weil sie ihren Hund zwei Wochen nicht gefüttert hatte. Das völlig abgemagerte Tier wurde von Tierschützern versorgt, starb jedoch kurz darauf.

Symbolbild.

© ShutterstockSymbolbild.



Salzburg – In einem nur zehn Minuten langen Prozess ist am Dienstag am Landesgericht Salzburg eine 35-jährige Frau wegen Tierquälerei zu einer bedingten Haftstrafe von drei Monaten verurteilt worden. Sie soll im Frühjahr ihre Hündin Lucy mindestens zwei Wochen lang nicht gefüttert haben. Der abgemagerte, apathische und beinahe verdurstete Rottweiler-Bernersennen-Mischling starb wenig später an einem Tumor.

Die derzeit wohnungslose und offenbar schwer verschuldete Angeklagte blieb im Verfahren mundfaul und gestand die Tat nur halbherzig ein. Ihr sei damals alles über den Kopf gewachsen, meinte sie knapp. Was ihr über den Kopf gewachsen sei, wollte Richterin Gabriele Glatz wissen. „Da diskutiere ich nicht darüber“, antwortete die 35-jährige bestimmt. Sie sei aber jeden Tag bei ihrem Hund gewesen und habe ihm zumindest täglich frisches Wasser in einer Schüssel gebracht.

Das kann Jürgen Stadler von der Pfotenhilfe Lochen, einer Tierschutzeinrichtung zu der Lucy später gebracht wurde, nicht verstehen. „Der Hund hat minutenlang Wasser getrunken, nachdem wir ihn abgeholt haben.“ Die Wohnung der Frau sei auch ziemlich verwahrlost gewesen. Die Richterin verurteilte die Angeklagte am Dienstag zudem zu einer Zahlung von 574,08 Euro an die Pfotenhilfe – für die Abholung, Untersuchung, Behandlung und letztlich Einäscherung des Hundes.

Der Nahrungsentzug mag das Tier zwar geschwächt haben, die Todesursache war davon unabhängig aber ein Lebertumor, der bei der Untersuchung entdeckt wurde. Eine Behandlung wäre zu diesem Zeitpunkt schon zu spät gekommen, sagte Stadler, dessen Verein sich als Privatbeteiligter dem Verfahren angeschlossen hatte. „Die Frau hätte früher erkennen müssen, dass der Hund schwer krank ist.“

Die Angeklagte nahm das (noch nicht rechtskräftige) Urteil heute ungerührt hin. „Es ist mir egal, was ihr da entscheidet“, sagte sie und stürmte nach Prozessende aus dem Saal. Weil die Frau im Juni nicht zu einem ersten Prozesstermin erschienen ist, wurde sie heute übrigens von zwei Polizisten vorgeführt. (APA)