Letztes Update am Di, 16.07.2019 20:30

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Italien

Funktionstüchtige Rakete nach Todesdrohungen gegen Salvini gefunden

Am Montag wurde in Italien ein Waffenarsenal, darunter Gewehre aus österreichischer Produktion sowie eine Rakete, ausgehoben. Ermittelt wurde eigentlich wegen einer Todesdrohung gegen den italienischen Innenminister Matteo Salvini.

Die Ermittler fanden eine über drei Meter lange und theoretisch voll funktionstüchtige Lenkrakete für den Luftkampf.

© Polizia di StatoDie Ermittler fanden eine über drei Meter lange und theoretisch voll funktionstüchtige Lenkrakete für den Luftkampf.



Rom – Bei einer Razzia im rechtsextremen Milieu in Norditalien hat die italienische Polizei ein Waffenarsenal, darunter Gewehre und Pistolen aus österreichischer Produktion sowie eine funktionsfähige Rakete sichergestellt. Ein 60-Jähriger wurde im Zuge einer Anti-Terror-Operation in der lombardischen Stadt Gallarate festgenommen. Der Italiener hat laut Polizei Verbindung zu neofaschistischen Kreisen.

Außerdem wurden ein 42-jähriger Schweizer und ein weiterer Italiener unweit des Flughafens der norditalienischen Stadt Forli wegen des Vorwurfs des illegalen Waffenbesitzes festgenommen. Einer der beiden hatte Kontakte zum Golfemirat Katar, teilte die Polizei mit.

Die Luft-Luft-Rakete aus französischer Produktion vom Typ Matra S530 wurde in einem Lagerhaus in der Nähe der lombardischen Stadt Pavia sichergestellt. Der 60-jährige Zollbeamte, der 2001 für die neofaschistische Partei Forza Nuova kandidiert haben soll, wollte die Rakete laut den Ermittlern an ukrainischen Separatisten verkaufen. Die Ermittlungen laufen seit einem Jahr, nachdem die Anti-Terror-Polizei Ermittlungen gegen einige italienische Kämpfer aufgenommen hatte, die sich am Konflikt in ostukrainischen Region Donbass beteiligt hatten.

Bei Durchsuchungen in der Nähe von Mailand fanden die Ermittler das Waffenarsenal und eine Sammlung von Nazi-Devotionalien.
Bei Durchsuchungen in der Nähe von Mailand fanden die Ermittler das Waffenarsenal und eine Sammlung von Nazi-Devotionalien.
- Polizia di Stato

Fund nach Todesdrohung gegen Salvini

Der spektakuläre Waffenfund ist im Zuge von Ermittlungen nach einer Todesdrohung gegen den italienischen Innenminister Matteo Salvini erfolgt. Wie der Innenminister und Chef der fremdenfeindlichen Lega-Partei am Dienstag in Genua mitteilte, habe er sich wegen einer Todesdrohung an die Anti-Terror-Polizei in Turin gewandt.

Bei den folgenden Ermittlungen im rechtsextremen Milieu stießen die Beamten dann auf das Waffenarsenal. „Das war eine von vielen Todesdrohungen, die ich täglich erhalte“, sagte Salvini. Aber diese sei sehr detailliert gewesen. „Der Geheimdienst sprach von einer ukrainischen Gruppe, die es auf mein Leben abgesehen hatte“, sagte er weiter.

Matteo Salvini.
Matteo Salvini.
- Reuters/Niesner

Nach Behördenangaben gingen die Ermittler einer Gruppe Rechtsextremer nach, die in der Ostukraine gegen pro-russische Rebellen gekämpft haben soll. Bei Überwachungsaktionen in der Region Turin seien dann drei weitere Rechtsextreme auf den Plan getreten, die den mutmaßlichen Ukraine-Kämpfern anscheinend Waffen verkaufen wollten.

Am Montag erklärte die Polizei, sie habe drei Männer festgenommen. Bei Durchsuchungen in einem Lager zweier der Festgenommenen in der Nähe von Mailand und dem Zuhause des dritten fanden die Ermittler das Waffenarsenal und eine Sammlung von Nazi-Devotionalien.

Den Ermittlern zufolge war darunter eine über drei Meter lange und theoretisch voll funktionstüchtige Lenkrakete für den Luftkampf. Ein Waffenexperte sagte der Nachrichtenagentur AFP, es sei allerdings extrem kompliziert, diese Rakete ohne ein entsprechendes Kampfflugzeug abzufeuern.

Der Flugkörper stammt nach Polizeiangaben aus französischer Produktion, das Modell wird von der Armee Katars verwendet. Außerdem fanden die Ermittler neun Sturmgewehre, eine Maschinenpistole, drei Jagdgewehre und sieben Pistolen. Dazu Zubehör wie Bajonette, Schalldämpfer und mehr als 800 Schuss Munition verschiedener Kaliber.

„Es ist nicht meine Rakete und ich bin froh, nützlich dabei gewesen zu sein, sie zu finden“, scherzte Salvini. (APA, AFP, TT.com)