Letztes Update am Do, 18.07.2019 06:55

DPA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschland

Tödlicher Unfall auf Parkplatz: Prozess wegen Mordes in Darmstadt

Erneut steht ein Raser wegen Mordes vor Gericht. Der 18-Jährige ist den Ermittlungen zufolge für einen Unfall auf einem Rastplatz an der A5 verantwortlich. Dabei starb eine Mutter, die mit ihrer Familie gerade eine Pause machte.

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© Jan HetfleischSymbolbild.



Darmstadt – Rund ein halbes Jahr nach einem tödlichen Unfall auf einem Autobahn-Rastplatz in Südhessen beginnt am Donnerstag der Prozess gegen einen 18 Jahre alten Mann. Er ist vor dem Landgericht Darmstadt wegen Mordes angeklagt. Der Deutsche, der keinen Führerschein hat, war am 30. Dezember 2018 auf der A5 vor einer Zivilstreife der Polizei davongefahren, die ihn wegen der abgelaufenen Versicherung des Wagens kontrollieren wollte.

Laut Anklage raste er mit Tempo 150 auf den Parkplatz „Fuchsbuckel“ bei Heppenheim, wo er mit seinem Wagen gegen das parkende Auto einer Familie aus Düsseldorf krachte. Eine 39 Jahre alte Frau wurde dabei tödlich verletzt. Der zehnjährige Sohn überlebte den Unfall schwer verletzt. Der Vater, der zum Zeitpunkt des Zusammenstoßes auf der Toilette war, erlitt einen Schock.

„In Kauf genommen, dass Menschen sterben“

Die Staatsanwaltschaft hat den 18-Jährigen wegen Mordes angeklagt, weil sie die Merkmale „Verdeckung einer Straftat“ und „gemeingefährliche Mittel“ erfüllt sieht. Der Angeklagte habe einer Strafe entkommen wollen und dabei in Kauf genommen, dass durch das rasende Auto Menschen sterben. Der junge Mann sitzt in Untersuchungshaft.

Anfang März hatte der Bundesgerichtshof erstmals ein Mordurteil gegen einen Raser bestätigt. 2017 hatte in Hamburg ein vor der Polizei flüchtender Taxidieb einen Menschen getötet. Das Landgericht Hamburg verurteilte ihn 2018 zu lebenslanger Haft.

Das Landgericht Darmstadt hat für den aktuellen Fall zunächst sechs Verhandlungstage bis zum 21. August angesetzt. Sollte der 18-Jährige nach dem Erwachsenenstrafrecht wegen Mordes verurteilt werden, droht ihm eine lebenslange Freiheitsstrafe. Da der Angeklagte zwar volljährig, aber noch nicht 21 Jahre alt ist, könnte er auch nach dem Jugendstrafrecht verurteilt werden. Hier liegt die Höchststrafe für Mord bei zehn Jahren. (dpa)