Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 19.07.2019


Innsbruck

Prozess gegen Innsbrucker (49) vertagt: Nach Betrug Kontakt mit „Killer“

Der Prozess um einen Großbetrug wurde gestern vertagt. Dass der Angeklagte gequält werden sollte, wird erst gar nicht verhandelt.

Landesgericht Innsbruck.

© TT/Thomas BöhmLandesgericht Innsbruck.



Innsbruck – Die Verhandlung wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs endete, ehe sie richtig begonnen hatte: „Auf unbestimmte Zeit vertagt“, verkündete am Donnerstagvormittag Richter Josef Geisle­r eine Dreiviertelstunde nach dem Beginn. Weil dem Strafverteidiger des 49-jährigen Angeklagten erst vor wenigen Tagen der Gerichtsakt zugestellt worden war. „So blieb keine Zeit, die Verteidigung mit dem Mandanten zu besprechen“, monierte der Anwalt. Zumindest fand der Angeklagte aus Salzburg noch Zeit, sich teilweise schuldig zu bekennen.

Der angeklagte Großbetrug mit einem Schaden zwischen 288.000 Euro (laut Anwalt) und 443.000 Euro (laut Staatsanwalt) war aber nur der Auftakt für einen weit skurrileren Kriminalfall, der beim mutmaßlichen Betrüger beinahe zum Verlust eines Fingers geführt hätte. Doch dieser Fall wird kein Gericht beschäftigen, die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen eingestellt.

Aber der Reihe nach: Im Herbst 2017 gelang es offenbar dem nunmehrigen Angeklagten, mehrere Geschäftsleute von seinem Investitionsmodell zu überzeugen. Darunter auch einen Innsbrucker Gastronomen, der dem 49-Jährigen nach eigenen Angaben seine Lebensersparnisse von 250.000 Euro anvertraute. Zurückbekommen hat er nur einen kleinen Teil. Der Wirt wandte sich an seinen Anwalt. Was dann geschah, bleibt wohl für immer ungeklärt: Laut Anwalt wollte der Innsbrucker einen Profi anwerben, der dem Salzburger „weh tut“. Der Wirt beteuert, er habe nur eine Anzeige erstatten wollen. Der Vorschlag mit dem „Killer“ sei vom Anwalt gekommen. Fest steht, dass sich der Gastronom letztendlich mit dem Profi treffen wollte. Für den Anwalt das Signal, das Landeskriminalamt einzuschalten. Und das arrangierte ein Treffen mit einem verdeckten Ermittler. Dabei besprachen der vermeintliche Killer und der Wirt die Möglichkeit, dem mutmaßlichen Betrüger einen Finger abzuschneiden, um dessen Zahlungsmoral zu verbessern. Das Gespräch wurde aufgezeichnet. Zu einer endgültigen Vereinbarung kam es allerdings nicht. Der entscheidende Grund für die Staatsanwaltschaft, das Ermittlungsverfahren einzustellen. (tom)