Letztes Update am Mo, 22.07.2019 12:06

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kärnten

Sechsjähriger ertrank im Faaker See: Eltern vor Gericht

Staatsanwalt Markus Kitz wirft den Eltern vor, den Buben allein am Strand zurückgelassen zu haben, obwohl er nicht schwimmen konnte. Angeklagt ist auch der Strandbadbetreiber sowie eine Badeaufsicht.

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Villach – Nachdem im Juni 2018 im Faaker See (Bezirk Villach-Land) ein sechsjähriger Bub ertrunken ist, hat am Montag ein Prozess wegen fahrlässiger Tötung am Bezirksgericht Villach begonnen. Angeklagt waren die Eltern, der Strandbadbetreiber und eine Mitarbeiterin der Badeaufsicht.

Staatsanwalt Markus Kitz wirft den Eltern vor, den Buben allein am Strand zurückgelassen zu haben, obwohl er nicht schwimmen konnte. Der Betreiber des Bades muss sich wegen mangelnder Kennzeichnungspflicht des Nichtschwimmerbereiches verantworten und die Mitarbeiterin der Badeaufsicht soll ihre Pflicht verletzt haben.

Der Tod des Kindes hätte verhindert werden können, sagte der Staatsanwalt, von allen Beteiligten. Der Verteidiger der Eltern, Hans Gradischnig, erklärte, die Eltern seien schon genug gestraft. „Was kann Eltern Schlimmeres passieren, als ihr Kind zu verlieren?“, fragte er. Die Eltern wollen die Verantwortung nicht auf andere abwälzen, so der Verteidiger, sie suchten um eine Diversion an.

Im Prozess bot Richterin Sabine De Cecco-Wilding den Eltern, beide 34 Jahre alt, eine Diversion an. Ihr Verteidiger sprach sich dafür aus, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab. Das Verfahren gegen den Badbetreiber und die Mitarbeiterin läuft getrennt weiter, es wurde für einen Lokalaugenschein vertagt.

„Ein tragischer Tag“

„Es war ein tragischer Tag, dieser 10. Juni 2018“, sagte Staatsanwalt Markus Kitz. Der Bub sei ertrunken, weil einige Personen versagt hätten. Den Eltern, dem Badbetreiber und einer Mitarbeiterin wirft Kitz vor, sich der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht zu haben. Er klage die Eltern nicht gern an, um sie zusätzlich zu ihrem Schmerz auch noch zu bestrafen, aber es sei unerlässlich, sagte der Staatsanwalt

Hier hakte die Richterin ein. Eine Strafe sei in diesem Fall absurd. Sie könne darin auch keinen spezialpräventiven Sinn erkennen. „Kein Elternteil will ein Kind verlieren“, sagte sie. Man müsse lediglich dem Gesetz Genüge tun. Daher schlug die Bezirksrichterin eine Probezeit von einem Jahr und einen Pauschalbetrag von je 200 Euro vor, denn mit Geld könne man dies nicht abzahlen, sagte sie und schied das Verfahren gegen die Eltern aus. Kitz hingegen verwies auf die generalpräventive Funktion einer Strafe. „Solche Delikte darf man nicht kleinreden“, sagte er. Anwalt Hans Gradischnig bot daraufhin die Verlängerung der Probezeit auf zwei Jahre an. Der Staatsanwalt gab dazu keine Erklärung ab.

Betreiber soll Auflagen nicht erfüllt haben

Gegen den Strandbadbetreiber und die Mitarbeiterin, die auch seine Ehefrau ist, wurde das Verfahren fortgesetzt. Der Staatsanwalt wirft dem Betreiber vor, die Auflagen nicht erfüllt zu haben und vor allem den aufgrund seiner Strömung gefährlichen Bach, der an der Unfallstelle in den See mündet, nicht eingefriedet zu haben. Beide wiesen jede Schuld von sich und verlangten einen Freispruch. Allein die Eltern hätten die Verantwortung für ihre Kinder zu tragen, sagten die Verteidiger. Man lasse einen Sechsjährigen nicht allein am Wasser, das sei grob fahrlässig, erklärten sie. Worauf Gradischnig einwarf: „Ist es notwendig, dass Sie so auf den Eltern herumhacken?“

Der Badbetreiber erklärte, alle Auflagen erfüllt zu haben. Laut Badeaufsicht sei nicht vorgesehen, dass die Wasserfläche ständig überwacht wird. Der Bereich, in dem der Bub schließlich gefunden wurde, befinde sich darüber hinaus außerhalb der von ihm gepachteten Betriebsanlage. Seine Ehefrau verwies unter anderem auf die Badeordnung, die in großer Schrift am Eingang hänge. Darin werde auf die Aufsichtspflicht gegenüber Kindern und Behinderten durch Begleitpersonen hingewiesen. Sie habe sofort die Wasserrettung alarmiert, als die Mutter gekommen sei und gesagt habe, sie könne ihren Sohn nicht finden.

Die Eltern wurden dann als Zeugen befragt. Sie erzählten, der Sohn habe im Sand des Uferbereichs gespielt, während sie etwas beim Buffet holten und aufs WC gingen. Als sie nach etwa zehn bis maximal 20 Minuten zurückkamen, sei ihr Sohn nicht mehr da gewesen. Er sei sonst nie allein ins Wasser gegangen. An diesem Tag wollte er überhaupt nicht in den See, weil ihm das Wasser zu kalt gewesen sei. Daher habe man ihm die Schwimmflügel nicht angezogen, erklärte der Vater.

Das Verfahren wurde vertagt. Die Richterin plant einen Lokalaugenschein und die Befragung weiterer Zeugen.. (APA)