Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 26.07.2019


Exklusiv

Prozess um Schuss bei Brauchtumsumzug in Volders

Ein Schuss auf einen Brauchtumswagen in Volders im Jänner endete mit neun Verletzten und der Anklage des Schützen. Der Gewehrinhaber konnte mit dem Unfall aber nicht rechnen.

Die bei Umzügen schon oft verwendete Schrotflinte wurde nach dem Schuss beschlagnahmt.

© zeitungsfoto.atDie bei Umzügen schon oft verwendete Schrotflinte wurde nach dem Schuss beschlagnahmt.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck, Volders – Die Volderer Brauchtumsvereine Mullergruppe, Schellenschlager, Senseler Landsturm, Plattler und Nikolaus- und Krampusgruppe luden Ende Jänner an einem Sonntag zum großen Regionsumzug des Gebiets Wattens, Fritzens, Kolsass und Volders. Traditionell wechselt dieser alljährlich zwischen den vier Gemeinden.

Der Umzug in Volders wird trotzdem über viele Jahre in Erinnerung bleiben. Die heitere Fasnachtsfreude war nämlich durch einen Schussunfall mit einem Gewehr jäh unterbrochen worden. Ein Bärentreiber hatte gegen 16 Uhr aus einer geliehenen Schrotflinte Platzpatronen abgefeuert und traf dabei den hölzernen Aufbau eines vorbeifahrenden Umzugswagens. Der 38-Jährige – für ihn gilt die Unschuldsvermutung – dürfte dabei den sicherheitstechnisch notwendigen Abschusswinkel und den Druck der Platzpatrone gründlich unterschätzt haben.

Splitter flogen ins Innere des Wagens und verletzten dort neun Menschen, wie die Staatsanwaltschaft Innsbruck gestern der TT auf Anfrage bestätigte. Diese hat mittlerweile alle Ermittlungen zum Fall gegen den Schützen und den Besitzer abgeschlossen. „Sieben der Insassen hatten bei dem Schussunfall ein Knalltrauma erlitten. Eine weitere Person war durch die Holzsplitter am linken Auge und eine Person im Gesicht und an der Hand verletzt worden“, erläuterte Staatsanwalt Hansjörg Mayr die Folgen für die Betroffenen.

Die Folgen für den Schützen stehen nunmehr auch schon fest und münden im August in einen Prozess am Haller Bezirksgericht. „Dem Schützen wird das Vergehen der fahrlässigen Körperverletzung vorgeworfen. Zudem das Vergehen der Gefährdung der körperlichen Sicherheit von weiteren vier Personen, die sich zusätzlich im Wagen befanden, aber nicht verletzt wurden.“

Nach anfänglichen Ermittlungen und Gerüchten rund um den Unfallhergang stellt Mayr in Richtung des Angeklagten klar: „Wir werfen dem Schützen einzig vor, dass er die Waffe in einem zu flachen Winkel abgefeuert hat – dies alkoholisiert und ohne erforderlichen Waffenpass für eine Waffe der Kategorie D. Wir gehen nach den Ermittlungen nicht davon aus, dass der Schütze die Waffe bewusst auf den Umzugswagen gehalten hat.“

Das Gewehr und eine Patrone wurden damals natürlich sofort sichergestellt. Eine persönliche Tragödie für den in Schützenkreisen gut beleumundeten Waffenbesitzer. Waren gegen ihn wegen der Übergabe des Gewehrs doch nicht nur Ermittlungen wegen Beitrags zu fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet worden, sondern ihm wegen verhängten Waffenverbots auch alle Sammlerstücke abgenommen worden.

Rechtsanwalt Friedrich Hohenauer argumentierte vor den Behörden, dass sein Mandant doch niemals habe vorhersehen können, dass sich die Übergabe des mit Platzpatronen geladenen Gewehrs – nach Unterweisung – so entwickeln könne: „Mein Mandant sieht sich als Traditionsschütze. Er besitzt das Gewehr seit 25 Jahren und hat in diesem Zeitraum als Bärentreiber an etlichen Veranstaltungen teilgenommen. Daher ist er davon ausgegangen, dass er die Waffe bei Brauchtumsveranstaltungen mitführen dürfe.“ Vor allem machte Anwalt Hohenauer aber geltend, dass der Waffeninhaber dem Schützen vertrauen durfte: „Er kennt ihn seit Jahren als zuverlässige Person. Der Mann ist ja selbst seit Jahren aktiver Schütze bei einer Kompanie und war dort sogar Jungschützenbetreuer“, so RA Friedrich Hohenauer.

Nach Berücksichtigung der Argumente wurde das Ermittlungsverfahren gegen den Gewehrinhaber mittlerweile zur Gänze eingestellt. Nach einem weiteren Rechtsmittel wurde auch das Waffenverbot wieder aufgehoben und alle Waffen wieder refundiert.